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Lili - Heft 108



Thema: Verschriftlichung

Herausgeberin dieses Heftes:
Brigitte Schlieben-Lange





Inhalt

Brigitte Schlieben-Lange
Einleitung

Michael Giesecke
War die Weitergabe von morphologischem Wissen
in Schrift und Bild ein Kommunikationsziel für Plinius Secundus?
Did Plinius intend the tradition of morphological knowledge?

Maria Selig
Zu den Anfängen der altokzitanischen Urkundenschriftlichkeit
The early occitan charters in the Rouerguea

Roland Schmidt-Riese
Schreibkompetenz, Diskurstradition und Varietätenwahl
in der frühen Kolonialhistoriographie Hispanoamerikas
Competence in writing, discourse traditions and language
varieties in early colonial historiography of Latin America

Konstanze Jungbluth
Die Praxis der Reoralisierung. Zur Funktion des Boten im ländlichen Katalonien des 18. Jahrhunderts
The practice of reoralisation. The function of the messenger/nuntius in Catalonia in the 18th century

Katrin Lehnen und Elisabeth Gülich
Mündliche Verfahren der Verschriftlichung
Oral techniques of writing a text: the interactive production of written formulations

Labor

Barbara Surowska
Wisawa Szymborska. Nobelpreisträgerin 1996

Volker Nölle
Die Selbsttötung Penthesileas.
Eine interpretatorische These im Prüfstand produktionsästhetischer
und topologischer Fragen

Martin Jurga
Serielles Erzählen im dualen Mediensystem:
Die Entwicklung der Serien nach der Deregulierung des Medienmarktes







Brigitte Schlieben-Lange

Einleitung

LiLi hat an den Diskussionen um Mündlichkeit und Schriftlichkeit, um die konstitutiven Unterschiede zwischen dem Sprechen/Hören einerseits und Schreiben/Lesen andererseits und um die kulturellen Konsequenzen dieser Modalitäten sprachlichen Handelns in den letzten fünfzehn Jahren intensiv teilgenommen. Es sei an die Themenhefte Sprachgeschichte und Sozialgeschichte (47) 1 , Lesen – historisch (57/58), Schriftlichkeit (59), Literarische Schreibprozesse (68) und zuletzt Stationen der Mediengeschichte (103) 2 erinnert. Mit diesem Heft wollen wir auf einen Aspekt dieser umfassenden kulturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Debatte fokussieren, nämlich auf die Verfahren von »Verschriftlichung« und deren historische Manifestationsweisen.

Diese historische Perspektivierung auf Prozesse der Verschriftlichung hat sich in den letzten Jahren im Zuge der Ausdifferenzierung von Fragestellungen zu den Übergängen von Mündlichkeit zu Schriftlichkeit herauskristallisiert. Hier ist besonders an den Arbeitskreis »Archäologie der literarischen Kommunikation (Aleida und Jan Assmann), an den Arbeitskreis »Schrift und Schriftlichkeit« (Günther/Ludwig), an den Freiburger Sonderforschungsbereich «Übergänge und Spannungsfelder zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit« zu denken. 3 Diese Debatte wurde belebt durch die Auseinandersetzung mit dem Phonozentrismus-Vorwurf, den Derrida gegen die europäische philosophische Tradition erhoben hat. 4

Eine weitere Forschungsrichtung konvergiert gegenwärtig mit diesen kulturwissenschaftlich inspirierten Fragestellungen, nämlich die nach der Möglichkeit der Rekonstruktion gesprochener Sprache für vergangene Phasen historischer Sprachen. Für die romanischen Sprachen ist diese Forderung nachdrücklich 1979 erhoben worden. 5 Es zeigt sich jedoch, daß die gesprochene Sprache selbst nie zugänglich ist, allenfalls Repräsentationen von ihr, etwa in literarischen Stilisierungen oder in Sprachlehrbüchern. Was jedoch an den für eine solche Rekonstruktion ins Auge gefaßten Texten beschreibbar ist, das sind die mehr oder weniger gelungenen Verfahren der Verschriftlichung. Diese Verlagerung des Interesses von der Beschreibung historischer Manifestationen gesprochener Sprache zu der Beschreibung der Verfahren der Verschriftlichung ist immer wieder festzustellen. 6

Auf lange Sicht wird diese gegenwärtige Diskussion um historische Manifestationen der Verschriftlichung sicher noch viel stärker mit anderen Ansätzen zur Schreibforschung zusammengeführt werden müssen, als dies gegenwärtig noch der Fall ist: kognitive und psycholinguistische Untersuchungen zum Schreiben, noch allgemeiner: zur Formulierung können zur Erhellung der historisch diagnostizierten Prozesse beitragen (Konstanze Jungbluth deutet in ihrem Beitrag die Verbindung zu ontogenetischen Fragestellungen an). 7 Andererseits ist zu vermuten, daß für diese mehr synchronisch, immer jedoch prozessual interessierten Forschungsrichtungen die Analyse der historischen Prozesse gelungener und gescheiterter Verschriftlichung wichtige Hinweise auf allgemeinere Prinzipien geben kann. Besonderes Gewicht käme in einem solchen integrativen Ansatz der hochentwickelten Forschung zu literarischen Schreibprozessen zu. 8 Ein solcher Ansatz, der tentativ Kategorien der historischen Diskussion im Rahmen einer (auch in Auseinandersetzung mit literarischen Schreibprozessen geschulten) Formulierungstheorie einsetzt, wird in diesem Heft von Katrin Lehnen und Elisabeth Gülich vertreten.

Als Titel haben wir den Terminus »Verschriftlichung« gewählt, weil er eindeutig auf den Prozeß des Formulierens im Medium der Schrift verweist, dies trotz der Vorbehalte, die man hinsichtlich der Übersetzbarkeit haben mag (dazu Jungbluth in diesem Band). Der Terminus ist zuerst von Peter Koch 1987 in systematischer Weise eingeführt und dann von Wulf Oesterreicher entfaltet worden. 9 Beide Autoren unterscheiden zwischen vier systematisch aufeinander bezogenen Prozessen des Übergangs zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Dieser Systematisierung liegt die Unterscheidung zwischen medialen und konzeptionellen Aspekten von Mündlichkeit und Schriftlichkeit zugrunde, die von Ludwig Söll erstmals 1974 in aller Deutlichkeit gemacht wurde und die dann von Peter Koch und Wulf Oesterreicher ausgebaut wurde. 10 All diese Autoren unterscheiden zwischen rein medialen Übergängen (Transkription eines spontanen Gesprächs, Vorlesen eines schriftverfaßten Texts) und den »konzeptionellen« Techniken der Versprachlichung unter den Bedingungen des jeweiligen Mediums oder – Koch und Oesterreicher entkoppeln an dieser Stelle die Frage nach den Versprachlichungsstrategien von den Medien – unter den Bedingungen von Nähe und Distanz. 11 So ergibt sich folgendes Vierfelderschema:


medialkonzeptionell
S>M Verlaut(lich)ung Vermündlichung
M>SVerschriftungVerschriftlichung


In unserem Heft soll es also um das rechte untere Feld gehen: um das Formulieren im Medium der Schrift. Bei genauerer Betrachtung der Vierfeldersystematik wird deutlich, daß es deutliche Asymmetrien zwischen den beiden senkrechten Kolonnen gibt. Im Fall des medialen Übergangs ist vorausgesetzt, daß bereits etwas im jeweils anderen Medium existiert, was bei den Prozessen der rechten Spalte nicht notwendigerweise der Fall ist. Andererseits wird der einfache Medienwechsel, die Transkodierung als defizitär empfunden. Die Normalformerwartung ist die, daß mit dem Wechsel des Mediums entsprechende Veränderungen der Formulierung, der Versprachlichung, Veränderungen also konzeptioneller Art, einhergehen, jedenfalls außer in ganz eingeschränkten Funktionszusammenhängen (z.B. Protokoll eines Verhörs, Verlesen eines Dokuments).

Weiterhin muß man sich der Mehrdeutigkeit des Begriffs der Verschriftlichung bewußt bleiben: es kann um die Formulierung einzelner Texte gehen, um den Ausbau von Sprachen und Diskurstraditionen und um die universellen Techniken des Sprechens im Rahmen der Möglichkeiten und Zwänge des Mediums der Schrift. 12 Schließlich kann es auch um den Ausbau bestimmter kultureller Verfahren und Institutionen (etwa des kulturellen Gedächtnisses, der Generierung und der Vermittlung von Wissen, der Konzeption von Literatur und Recht usw.) gehen. 13

Wir haben die Beiträge in diesem Band, die ganz unterschiedliche Aspekte von Verschriftlichung thematisieren, was vielleicht auch eine systematische Anordnung, etwa in dem im letzten Abschnitt skizzierten Sinne, nahegelegt hätte, in chronologischer Folge angeordnet und bewegen uns von der Antike auf die Gegenwart kommunikativer Schreibprozesse zu.

Michael Giesecke fragt anhand der Diskussion um Plinius' Naturbeschreibungen nach den kulturellen Bedingungen der Versprachlichung/Verschriftlichung von visuellen Eindrücken. Er zeigt, daß Notwendigkeit und Möglichkeit der Versprachlichung von Visuellem vielerlei kulturelle Voraussetzungen haben, daß es also bei der Thematisierung von Schriftlichkeit als kultureller Form darum geht, nicht die Überlegungen zum Medium Schrift von anderen kulturellen und/oder wissenschaftlichen Entwicklungen abzukoppeln.

Maria Selig vergleicht zwei Fassungen einer mittelalterlichen Urkunde: eine lateinische und eine volkssprachliche (okzitanische). Sie stellt fest, daß die volkssprachliche Urkunde gegenüber der lateinischen in Hinsicht auf Funktion und diskurstraditionelle 14 Merkmale unterbestimmt ist. Sie knüpft daran die Frage, ob nicht die Prozesse der Verschriftlichung (im Sinne der Einübung in die Funktionsweise des Mediums Schrift) immer auch Prozesse der Aneignung und der Entwicklung von Diskurstraditionen sind.

Roland Schmidt-Riese stellt die Arbeiten des Forschungsprojekts »Nähesprachlich geprägtes Schreiben in der Kolonialhistoriographie Hispanoamerikas (1500–1615)« vor. Dieses Projekt beschäftigt sich mit Texten, die von sogenannten semi-cultos 15 geschrieben worden sind und die den Anforderungen an gelungene Verschriftlichung nur partiell genügen. 16 Bestimmte Techniken der schriftlichen Textproduktion werden noch nicht beherrscht, so daß solche defizitären Schreibprodukte ein ausgezeichnetes Labor für die Ermittlung der konstitutiven Züge autonomer Schriftlichkeit sind. 17 Auch hier stellt sich wieder die Frage nach der Abhängigkeit der Verschriftlichung von diskurstraditionellen Modellen.

Konstanze behandelt in ihrem Beitrag, anhand der Situation in Katalonien im 18. Jahrhundert, die aber wohl als »alteuropäisch« im Sinne von Otto Brunner gelten kann, die Kehrseite der Verschriftlichung, nämlich die Reoralisierung (in der oben vorgestellten Terminologie: Vermündlichung). Sie zeigt darüber hinaus, daß die beiden komplementären Techniken Bestandteile einer umfassenden Kultur der Semi-Oralität sind, in denen den Institutionen und Techniken der Vermittlung ein besonderes Gewicht zukommt. In diesem systematischen kulturellen Zusammenhang erscheinen die einzelnen Techniken dann nicht mehr als defizitär, sondern als systematisch aufeinander bezogen.

Im letzten Beitrag berichten Katrin Lehnen und Elisabeth Gülich über das Bielefelder Projekt »Konversationelle Schreibinteraktionen«. Die Pointe dieses Ansatzes ist, daß in der interaktiven Herstellung von Texten, also bei der konversationellen »Verschriftlichung« im Gespräch ständig die Prinzipien und Strategien des Verschriftlichens thematisiert werden. Auf diese Weise ist ein direkter Zugang zum Prozeß des Schreibens möglich, während bei anderen Quellenserien das »Verschriftlichungs«-Wissen implizit bleibt und entweder aus Defizienzen oder aus Hyperkorrektismen (vgl. Anm. 17) erschlossen werden muß. In diesem Beitrag wird auch besonders deutlich, daß erst durch die Formulierung die Gedanken ihre Bestimmtheit und ihre Form gewinnen, daß also Verschriftlichung keinesfalls als bloße Fixierung eines bereits fertigen Gedachten aufgefaßt werden darf, daß vielmehr »die Gedanken im Schreiben verfertigt werden«.

Literatur  


– Assmann, Aleida/Assmann, Jan/Hardmeier, Christof (Hg.) (1983): Schrift und Gedächtnis, München.
– Assmann, Jan (1992): Das kulturelle Gedächtnis, München.
– Coulmas, Florian (1985): »Reden ist Silber, Schreiben ist Gold«, in LiLi 57, S. 94–112.
– Ehlich, Konrad (1983): »Text und sprachliches Handeln«, in Assmann/Assmann/Hardmeier 1983, S. 24–43.
– Ehlich, Konrad (1994): »Funktion und Struktur schriftlicher Kommunikation«, in: Günther/Ludwig 1994, S. 18–41.
– Eigler, Gunther u.a. (Hg.) (1990): Wissen und Textproduzieren, Tübingen.
– Ernst, Gerhard (1997): Problèmes d'édition de textes à caractère privé des XVIIe et XVIIIe siècles, im Druck.
– Goody, Jack (1986): The Logic of Writing and the Organization of Society, Cambridge.
– Grésillon, Almuth (1994): Eléments de critique génétique, Paris.
– Gumbrecht, Hans Ulrich/Pfeiffer, Karl Ludwig (Hg.) (1993): Schrift, München.
– Günther, Klaus B./Günther, Hartmut (Hg.) (1983): Schrift – Schreiben – Schriftlichkeit, Tübingen.
– Günther, Hartmut/Ludwig, Otto (Hg.) (1994): Schrift und Schriftlichkeit, Berlin.
– Jechle, Thomas (1992): Kommunikatives Schreiben, Tübingen.
– Jungbluth, Konstanze (1995): Die Tradition der Familienbücher, Tübingen.
– Klein, Wolfgang (1985): »Gesprochene Sprache – geschriebene Sprache«, in: LiLi 59, S. 9–35.
– Koch, Peter (1986): »Sprechsprache im Französischen und kommunikative Nähe«, in: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur 96, S. 113–154.
– Koch, Peter (1987): Distanz im Dictamen, Habilitationsschrift Freiburg/Breisgau.
– Koch, Peter/Krämer, Sybille (Hg.) (1997): Schrift, Medien, Kognition, Tübingen.
– Koch, Peter (1997): »Diskurstradition«, im Druck.
– Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1985): »Sprache der Nähe – Sprache der Distanz«, in: Romanistisches Jahrbuch 36, S. 15–43.
– Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1990): Gesprochene Sprache in der Romania, Tübingen.
– Koch, Peter/Oesterreicher (1994): »Schriftlichkeit und Sprache«, in: Günther/Ludwig 1994, S. 587–604.
– Oesterreicher, Wulf (1993): »Verschriftung und Verschriftlichung im Kontext medialer und konzeptioneller Schriftlichkeit« in: Schaefer, Ursula (Hg.): Schriftlichkeit im frühen Mittelalter, Tübingen, S. 267–292.
– Ong, Walter (1982): Orality and Literacy, London.
– Pessoa, Marlos (im Druck): Die Entstehung einer urbanen Norm in Recife im 19. Jahrhundert, Diss. Tübingen.
– Raible, Wolfgang (1994): »Orality and Literacy«, in: Günther/Ludwig 1994, S. 1–17.
– Schlieben-Lange, Brigitte (1983): Traditionen des Sprechens, Stuttgart.
– Schlieben-Lange, Brigitte (1990): »Zu einer Geschichte des Lesens (und Schreibens)«, in: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte 14, S. 251–267.
– Schlieben-Lange, Brigitte (1995): »La construction des champs déictiques dans la semi-oralité«, in: van Deyck, Rika (Hg.): Diachronie et variation linguistique, Gent, S. 115–128.
– Schlieben-Lange, Brigitte (1996): Idéologie, révolution et uniformité de la langue, Liège.
– Schlieben-Lange (1997): »Les hypercorrectismes de la scripturalité«, im Druck.
– Selig, Maria u.a. (Hg.) (1993): Le passage à l'écrit des langues romanes, Tübingen.
– Stimm, Helmut (Hg.) (1980): Zur Geschichte des gesprochenen Französisch und zur Sprachlenkung im Gegenwartsfranzösischen, Wiesbaden.
– Stoll, Eva (1997): Konquistadoren als Historiographen, Tübingen.

Anmerkungen

  1. zu 1 Darin besonders mein Artikel »Für eine Geschichte von Mündlichkeit und Schriftlichkeit«, der eine Vorstufe von Schlieben-Lange 1983 darstellt.
  2. zu 2 Darin besonders der Artikel von Maria Selig: »Aneignungen der Schrift. Mediengeschichtliche Aspekte des romanischen Mittelalters«.
  3. zu 3 Zu den verschiedenen Forschungskontexten Assmann/Assmann/Hardmeier 1983, Günther/Günther 1983. Die Ergebnisse des Freiburger Sonderforschungsbereichs sind laufend in der Serie Scriptoralia erschienen. Einen aktuellen Überblick gibt das Handbuch »Schrift und Schriftlichkeit« (Günther/Ludwig 1994/96).
  4. zu 4 Zu dieser Diskussion besonders Gumbrecht/Pfeiffer 1993 und Koch/Krämer 1997.
  5. zu 5 Dazu Stimm 1980.
  6. zu 6 Gerhard Ernst plant die Erstellung eines Korpus relevanter Texte für den französischen Sprachraum (Ernst 1997). In gewisser Hinsicht hat auch das Projekt zu den Chroniken spanischer Konquistadoren unter Leitung von Wulf Oesterreicher, über das Roland Schmidt-Riese in diesem Heft ausführlich berichtet, diesen Weg durchlaufen. Zu katalanischen Texten des 18. und 19. Jahrhunderts Jungbluth 1995, zu brasilianischen Texten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Pessoa (im Druck).
  7. zu 7 Zu diesen Forschungsrichtungen Günther/Günther 1996; im Rahmen des Freiburger Sonderforschungsbereichs Eigler u.a. 1990, Jechle 1992.
  8. zu 8 Zum neuesten Stand Grésillon 1994.
  9. zu 9 Koch 1987, Oesterreicher 1993. Einen analogen Vorschlag enthält Schlieben-Lange 1995 und 1996.
  10. zu 10 Koch/Oesterreicher 1985, 1990 und 1994, Koch 1986.
  11. zu 11 So einleuchtend und hilfreich diese Unterscheidung auch ist, so verstellt sie doch andererseits den Blick für den Zusammenhang zwischen medialen Bedingungen und den daraus entstehenden Zwängen und Möglichkeiten. Es gibt zahlreiche Vorschläge zur Erfassung und Systematisierung dieses Zusammenhangs, die noch einmal im Zusammenhang mit der Nähe-/Distanz-Unterscheidung diskutiert werden müßten: Ehlich 1983 und 1994, Klein 1985, Coulmas 1985, Schlieben-Lange 1983, 1990 und 1997.
  12. zu 12 Zu den verschiedenen Aspekten Oesterreicher 1993, Raible 1994; zum Zusammenhang der verschiedenen Aspekte am Beispiel der Verschriftung/Verschriftlichung der romanischen Sprachen Selig u.a. 1992.
  13. zu 13 Diese Gesichtspunkte haben vor allem in der kulturhistorischen Schriftdebatte eine Rolle gespielt, z.B. Goody 1986, Ong 1982, Assmann/Assmann/Hardmeier 1983, Assmann 1992, Schlieben-Lange 1983.
  14. zu 14 Zum Begriff der »Diskurstradition« jetzt ausführlich Koch 1997.
  15. zu 15 Es handelt sich um einen Begriff, der in der italienischen Philologie geprägt worden ist. In den Arbeiten des Projekts (zuletzt Stoll 1997), insbesondere in den Präsentationsartikeln von Oesterreicher (vgl. die Bibliographie des Beitrags von Schmidt-Riese) wird die Begrifflichkeit semi-cultos, Schreibnovize, nähesprachlich geprägte Schreibkompetenz erläutert.
  16. zu 16 Vergleichbare Korpora werden in Anm. 8 erwähnt. Ein Text, der in dieser Hinsicht mehrfach diskutiert worden ist, ist das Tagebuch des Glasermeisters Ménétra aus der Französischen Revolution, dazu Schlieben-Lange 1995.
  17. zu 17 Das Experimentieren mit den Möglichkeiten und Zwängen des neuen und noch nicht ganz beherrschten Mediums kann auch zur Übertreibung von als schriftnotwendig erkannten Techniken (wie z.B. Anaphorik, hierarchisierende Junktion) führen, ein Phänomen, das ich als »Bemühte Schriftlichkeit« (zuletzt Schlieben-Lange 1997) bezeichne. Dies deutet darauf hin, daß implizit Konstitutionsanalysen des neuen Mediums vorgenommen werden, die, ähnlich wie beim unvollkommenen Erwerb einer Sprache, zu Hyperkorrektismen führen, nur eben zu Hyperkorrektismen des Schreibens und nicht einer bestimmten Sprache.




 





Michael Giesecke

Did Plinius intend the tradition of morphological knowledge?

The 25th book of Plinius' Historia Naturalis is one of our most important sources for the history of tradition of knowledge during the Antiquity. Many media historians have worked with this text in reconstructing communicative relations and techniques of the ancient times. All of them state the lack in descriptions of visual experience. The author argues that this state of affairs was not meant to be a default in Plinius' view. Communication about the visible world without interaction, based exclusively on writing and images, was not conceivable then. The conditions for this communicative goal, so evident to us, were only created in the Renaissance, 1500 years later.

 






Maria Selig

The early occitan charters in the Rouergue

In 1142, before leaving for the Holy Land, Raolf Guillelms gave his possessions to the Templars. This donation is documented in a latin and in an occitan charter. The comparison of the two texts reveals the distance between the latin practice, marked by a high degree of literacy, and the emerging occitan tradition, which has not yet fully integrated the written medium in legal rituals und procedures.

 






Roland Schmidt-Riese

Competence in writing, discourse traditions and language varieties in early colonial historiography of Latin America

The Spanish conquest of America is one of these crucial points of history when members of less educated classes are given the opportunity to enter the written communication spheres. As a result, numerous texts were produced which obviously lack expertise in writing. Generally, these texts present the conquest events, thus corresponding to the enormous demand of information of the Spanish crown and metropolitan society in general. Deficient competence in writing is linked to the treatment of discourse traditions and language varieties and produces certain effects on different levels of textual organisation: the global arrangement of information remains often obscure, the texts disregard the demands of established historiographic patterns, they introduce linguistic strategies based on spoken communication in general and elements characteristic of specific contemporaneous Spanish varieties of the spoken domain.
This paper presents the methodological setting and some conclusions of a research project focussed on the above mentioned corpus which ran from 1991 to 1996 at Freiburg University (Germany). One of the most striking results of this project is the degree to which inexperienced writers give new pragmatic orientations to their historiographic outlines, i.e. introduce concrete political or private aims. Though heavily interfering with administration related stylistics and producing textual deficiencies on all levels, they prove surprising loyalty to certain formal marks of the chosen genres. Other specialized studies within the project claim the innovative force of spoken varieties reflected in the written text, both in the lexical and the syntactic domain, as well as characteristic ways of unpretentious ideological organisation. Finally the specific problems of discourse arrangement of inexperienced writers are exemplified on the basis of frequent corrections in one sixteenth century manuscript.

 






Konstanze Jungbluth

The Practice of Reoralisation
The function of the messenger/nuntius in Catalonia in the 18th century

The act of reading aloud and interpreting at the same time characterizes the messenger/nuntius as an important person building a bridge between the alphabetized and the non-alphabetized parts of the semi-oral society. He does not only transcode the message from the literal to the oral code but above all he transforms the message according to the necessities of orality. The handing over of the documents and their interpretation in face of the pragmatic importance in the social context are called equally intimar. This cultural practice together with the magic aura of the text in its written form shows, that there are not really two different cultures, but only one. The semi-oral society has developped over the centuries in different ways to make sure that all people literate or not are able to participate in the discourses and texts representing different points on the scala from orality to literacy in their conceptual meaning.

 






Katrin Lehnen und Elisabeth Gülich

Oral techniques of writing a text:
the interactive production of written formulations

The paper deals with collaborative writing as a specific type of interaction in the field of oral and written communication. The situation of collaborative writing forces two ore more actors to reveal their cognitive concepts as they have to plan, write or revise a text together. By analysing the corpus of exercises in scientific writing it is shown how writers mark constraints for their writing process, how they refer to textual norms, and, finally, how they co-operate in writing.