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Lili - Heft 107

 




Zusammenfassung/Summary

 

This contribution deals with German authors - Theodor Däubler, Stefan George, Hugo von Hofmannsthal, Arno Holz, Karl Kraus, Peter Rosegger - who were proposed for the Nobel prize but were rejected or at least not elected. The article - based on material available in Deutsches Literaturarchiv Marbach/Neckar - reveals and discusses motives and arguments for proposals and rejections.

 

 

 

Ob in einer Akademie Gelehrte für sich sind, oder auch Dichter mitreden dürfen, bestimmt ihre Aufgaben und die Regeln der Gespräche. Immer geht es um die Pflege der eigenen Sprache und Kultur, doch gibt es verschiedene Modelle, und sie folgen jeweils anderen Vorstellungen nationaler Vernunft. Die deutschen Gelehrten haben sich von Anfang an gesträubt, ihre Akademien den Dichtern zu öffnen, Goethe und Grillparzer als Ehrengäste in München und Wien gehörten zu den seltenen Ausnahmen. Man kümmerte sich am liebsten um die Rechtschreibung, konstruierte Grammatiken, erforschte die Sprachgeschichte und edierte monumenta aus der Geschichte des eigenen Volkes, dessen Lebenskraft das wissenschaftliche Tun ordnen sollte und den Gelehrten sogar zu gestatten schien, auf dieser intellektuellen Grundlage, sich zum Gewissen der Nation aufzuwerfen. Die Fürsten und ihre Minister sollten »wie auf einem freien Schauplatz die Stimme der Wahrheit auch aus andern Provinzen hören und sich gewöhnen, sie hören zu mögen.« So empfahl Herder dem Markgrafen von Baden eine Akademie für den »Allgemeingeist Deutschlands«.2

 

Nicht daß die Gelehrten die Dichter verachtet hätten. Man wähnte sie sogar näher am Volk als sich selbst - aber gerade darum einer anderen Ratio unterworfen, über die man nicht zu urteilen hatte. Die deutschen Dichter erhielten spät erst, 1926, Bürgerrecht in einer Akademie. Aber es war keine der Wissenschaften, sondern die Preußische Akademie der Künste, und dort blieben sie auch ganz für sich in einer eigenen Sektion. Man veranstaltete Vorträge, Lesungen, Diskussionen, gab Gutachten in Rechtsfragen, half notleidenden Dichtern - doch der Versuch, einen Literaturpreis einzurichten, mißlang kläglich. Es gab nicht nur zu wenig Geld, sondern vor allem zu viele Urteile, und der Kandidat - einmal wurde einer gewählt (Friedrich Schnack) - konnte dann nur ein Kompromiß sein, der nichts mit der Sache, aber viel mit der Zusammensetzung des Gremiums zu tun hatte. Zwischen »Berlin« und »Provinz«, jeweils symbolisch aufgeladen, ging der Streit, weil die Heimatdichter als Vertreter des Allgemeinen sich aufspielten, und weil nur deren Beschränkung den Weg zu einem verbindlichen Urteil freigemacht hätte.3

Oft fördert es den klaren Gedanken, wenn man ihn Fremden gegenüber formulieren muß; aber in diesem Fall hätte selbst die Anwesenheit von
Universitätsprofessoren nichts geholfen, denn in Deutschland glaubten die selbst nicht daran, daß alle geistigen Erzeugnisse, seien sie nun poetischer oder philologischer Natur, Instrumente einer einzigen und auch historisch widerständigen Vernunft seien: Ihre eigenen Akademien standen in den Regionen und dienten den Fürsten. Einer solchen universalen Vernunft könnte man zutrauen, den von ihr selbst bestimmten Regeln zu folgen, und weil sie sich des (vernünftigen) Geschmacks bediente, wollte sie sich ausdrücken, zielte das Gespräch auch darauf. Die Schwedische Akademie, die jährlich den Nobelpreis für Literatur vergibt, wurde indes nicht nach deutschem, sondern nach französischem Vorbild gegründet, wo alle, auch die Professoren, als Schriftsteller aufgenommen wurden. Sie besteht zur einen Hälfte aus Gelehrten, zur anderen aus Dichtern und akzeptiert nur Vorschläge von Professoren, Akademiemitgliedern und früheren Preisträgern: Die Geschichte der Nobelpreisentscheidungen ist weitgehend eine Geschichte des ästhetischen Geschmacks der »Achtzehn«. Immer bereitet es Mühe, den universalen Anspruch des Geschmacks angesichts dessen Wandels zu verteidigen, und lange werden dafür die Leitbegriffe (wie »idealisch« oder »schön«) fortgedeutet, bevor man sie austauschen muß. Auch hält der Geschmack zum einzelnen Werk meist große Distanz, weil er nicht anders kann. Insofern er sich selbst betrügt, ist er problematisch. Aber er erweist sich - zu seinem Vorteil - einigermaßen immun gegen Zumutungen persönlicher, politischer oder institutioneller Interessen. Gerade das aber wurde hierzulande oft übersehen, wenn man versuchte, den eigenen Dichtern den Nobelpreis zu besorgen.

 

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Interessen 

Einfach schlau wollte der Düsseldorfer Oberbürgermeister a.D. Oehler sein, als er einige Professoren, vorwiegend aus Jena, dazu brachte, Elisabeth Förster-Nietzsche für den Nobelpreis des Jahres 1923 (nach 1908 und 1915 der dritte Versuch) vorzuschlagen, erhoffte er sich doch davon die Finanzierung seiner »Stiftung Nietzsche-Archiv« und die Nobilitierung eines »menschlichen« Nietzsche, wie er durch die kleingläubigen Biographien der Schwester geistert.4 Ein Gutachten schrieb er gleich selbst, das andere bestellte er beim radikalen Provinzbarden Friedrich Lienhard, die Philosophen Alois Riehl und Hans Vaihinger befürworteten gerne;5 Oehler hielt sich nicht lange beim literarischen Rang auf: die Schwester habe »die vollkommenste Form für den Inhalt« gefunden; sondern hob dann auf vielen Seiten ihre editorischen und archivischen Leistungen hervor. Das Nobelpreiskomitee mußte dann etwa lesen: »Diese Schaetze an Handschriften werden
sorgfältig, feuer- und diebessicher aufbewahrt, sie sind genau katalogisiert, auch sind von ihnen genaue Abschriften angefertigt, die gleichfalls im Archiv verwahrt werden.« Aus solchem ergäben sich noch größere, eben aus Stockholm in europäischem Interesse zu bezahlende Aufgaben.6

Nicht nur in Weimar, sondern auch in der Steiermark dachte man, es ginge in Schweden so zu wie daheim. Weil man literarisch-ästhetische Urteile nicht anerkannte, legte man sich die fernen Entscheidungen im Spiegel des eigenen kleinen Eifers zurecht, der in der Heimatdichtung seine magna charta hatte. Peter Rosegger erhielt zu seinem siebzigsten Geburtstag den Nobelpreis 1913 nicht, obgleich das nicht nur der Grazer »Tagespost« so gut wie sicher schien.7 Der Dichter des deutsch-national-religiös vibrierenden Bekenntnisbuches Mein Himmelreich (1901) konnte, so seine Freunde, nur dem nach Stockholm getragenen und dort wirksamen Kleinkrieg zwischen den Nationen und Sprachgruppen zum Opfer gefallen sein. Die Parteigänger starrten auf das Protesttelegramm des tschechischen Kulturverbandes (»Herr Rosegger würde ohne Zweifel das Geld der Nobelstiftung zur weiteren Germanisierung slavischer Kinder benützen«8, sie sahen die negativen Gutachten der (tschechischen) Gelehrten Josef Janko und Arno Novak, und desgleichen die wirkungslose, von August Sauer, dem Germanisten an der deutschen Prager Universität, initiierte Resolution (der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen) dagegen.9 Das von solchen Verschwörungsängsten provozierte peinliche Dementi aus Schweden mußte dann Rosegger ganz offiziell den literarischen Rang absprechen: Eine Jury hat doch, [beklagte der sich bei einem Freund,] nur die Würdigen zu nennen, die ausgezeichnet werden sollen, nicht aber auch die Namen Solcher in die Welt zu rufen, die sie der Auszeichnung für unwürdig hält! [...] Empfand sie aber die Notwendigkeit, ihren Beschluß besonders zu begründen, so hätte sie es in einer nicht verletzenden Form tun müssen. So dass ich jetzt nicht vor aller Welt dastünde als einer dessen literarische Werke des Nobelpreises nicht wert sind.10

Die heimatlichen Hintergedanken der Dichter kreisten meist um die Rangordnung, die sie sich gerne von außen beglaubigen ließen: Man erzählt sich, daß die Sorge von Frisch und Dürrenmatt, der andere könnte den Preis erhalten, jedes Jahr größer war als die Hoffnung, die Wahl könne einen selbst treffen. Arno Holz wurde 1929 schon zum fünften Mal vorgeschlagen; Loerke hatte 1926 ins Tagebuch notiert: »Empörung in mir. Diese schwachsinnigen Elaborate.«11 Doch war die breite Unterstützung für die Kandidatur nicht ästhetisch motiviert (in Universitätskreisen sollten insgesamt kaum glaubliche 460 Unterschriften geleistet worden sein, Walter von Molo wollte die Sektion für Dichtkunst mobilisieren) und ebensowenig der Widerstand. »So viel wie die langweilige Limonade Hermann Hesse bin ich schon lange,«12 fiel Döblin ein, als Ludwig Marcuse an ihn dachte. Und 1957 wußte er: »Thomas Mann, bürgerlicher Kandidat für alle Preise und Ehren, stellte sich ans Telefon und protestierte bei Hauptmann (er hatte zufällig den Nobelpreis noch nicht): Arno Holz den Nobelpreis, das wäre unerhört; wenn schon ein Deutscher, dann wenigstens Ricarda Huch. Er meinte sich, und er erhielt den Preis. Marcuse weiß es.«13 Das war 1929. In ihrer flachen pragmatischen Art meinte damals die Huch: »schade, daß einer ihn bekommen hat, der ohnehin reich ist, und obwohl ich ihn vorzüglich
hätte verwenden können.«14 Ernst Bertram, Freund von Thomas Mann und Professor in Köln, war - »wir sind ja immer danach verfahren« - um das inzwischen durch den George-Kreis gehörig ramponierte Bild des Meisters besorgt: »Die Aufforderung nach Stockholm habe ich ja trotzdem geschickt [...], und auch immer [...] so gesprochen, daß das Bild gerettet bleibt.«15

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Wege des Geschmacks 

 

Alfred Nobel hatte in seinem Testament von 1895 einen der Preissumme angemessenen Wert genannt: Jene Dichter sollten die Auszeichnung erhalten, die »das vorzüglichste Werk idealistischer Prägung geschaffen« und damit »der Menschheit den größten Nutzen erwiesen« hätten.16 Das schwedische Wort »idealisk« konnte ästhetisch oder, nach der humanisierenden Wirkung des Ästhetischen, ethisch gedeutet werden, und auch darüber, was dem Menschen frommt, gingen die Meinungen auseinander, so daß neben der verbreiteten Deutung des Wörtchens auch plausibel scheint, was Georg Brandes von Nobels Freund Gustaf Mittag-Leffler erfuhr: »Nobel war Anarchist; mit idealistisch meinte er das, was eine polemische oder kritische Haltung gegenüber der Religion, der Monarchie, der Ehe und der Gesellschaftsordnung insgesamt einnimmt.«17 Immerhin war die Schwedische Akademie bis zum Zweiten Weltkrieg gezwungen, ihre Wertmaßstäbe auf den testamentarischen Begriff hin zu deuten: Im ersten Jahrzehnt hielt sie sich an die Ästhetik des deutschen Idealismus. Dann wollte man sich strikt neutral verhalten. Als endlich der schwedische Dichter Per Hallström 1922 den Vorsitz im Nobelkomitee übernahm (er blieb bis 1947), galten eine »weitherzige Humanität« und ein sie prononcierender »großer Stil« (Kjell Espmark) als Ideal, das dann in den dreißiger Jahren zu dem verkam, was dem allgemeinen (Welt)Publikum gefallen könnte: Mit Pearl S. Bucks Wahl im Jahr 1938 erreichte diese Entwicklung ihren Tiefpunkt.

 

Der Geschmack entsteht im Gespräch vieler mit vielen, er will verbindlich sein und darum seine schwankende Herkunft vergessen lassen. Dankbar übernahmen zu Beginn unseres Jahrhunderts die am Gespräch Beteiligten daher Normen, die auf das Ganze gerichtet sind. Undenkbar war noch, daß man auch in der Verneinung konsequent sein kann, mit anderen Folgen natürlich. In jenem Schweden, das zu
Deutschland eine ungetrübte kulturelle Neigung empfand und das Deutsche als erste Fremdsprache pflegte, war daher die spätidealistische Ästhetik Friedrich Theodor Vischers allgegenwärtig, auf die nun ironischerweise alle jene deutschen Dichter stießen, die zuhause diese eigene Tradition artistisch-spekulativ oder lebensphilosophisch modernisiert und hinter sich gelassen hatten: Karl Kraus, Hugo von Hofmannsthal, Theodor Däubler, Stefan George, Arno Holz, Thomas Mann ... es waren so viele vorgeschlagen worden wie vorher und später nicht, und sie
bekamen es alle mit Hallström zu tun, der ein anderes Deutschland im Sinn hatte.

Man tut gut daran, in den Werken Hallströms zu lesen, um seine Urteile zu begreifen.18 In der Novelle Die rote Rose zum Beispiel, die dem 1919 im Insel Verlag erschienenen »Novellenbuch« den Titel gab,19 kommt der Erzähler von einer ausgedehnten Gebirgswanderung (»Den einen Alpenpaß hinauf, den anderen hinunter«) in den Kurort, wo eine schwindsüchtige Amerikanerin dem Tod entgegenlebt und zuvor noch in der Stimme eines Mediums ihre Gedanken offenbart, das ein Magnetiseur, natürlich von Paris, hierher gebracht hat. Wie eine Parabel auf die Vischersche Ästhetik wirkt das, fern vom Zauberberg, in der das Schöne, selbst schon Ausdruck des Absoluten, sich selbst überbietet, wenn die Naturschönheit (die zeigte sich hier auf der Gebirgswanderung) und die Phantasie (im Medium) zur Dichtung werden, der Dichtung, der von ihrem sujet nichts mehr anhaften darf. Der Dichter schließt mit einer Moral und meint damit einen Verehrer, der noch ans Überleben der Schönen glaubt: »Ja, ja, dachte ich, alles ist in irgendeiner Weise bestimmt, aber es ist gut, nicht allzuviel davon zu wissen.«20 Was als Ästhetik durchaus die Zeiten überdauern kann, wird im Werturteil kulturell ausgelegt und banal. Dann sind eben Klarheit, Einfachheit, Plastizität, Vollständigkeit und strenge Gestaltung jene Kriterien, die, gerichtet gegen Dunkelheit und Esoterik, Nobelpreisgutachten anleiten. Dreimal hat der Germanist Walther Brecht für Hofmannsthal, dem er als Freund diente und dessen platonisierende (»idealistische«) Interpretationen die Hofmannsthalforschung später entscheidend prägten, den Antrag gestellt (1923, 1924 und 1926); viermal hat Hallström in ausführlichen Berichten abgelehnt, und jedesmal mit den gleichen Gründen:21 Die Dekadenz des Werkes bis zur Elektra, vor allem die Mischung aus Schrecken und Erotik, die »entschlossene Handhabung des Effektes, eine Entschlossenheit, die die Brutalität der populären, bevorzugten dekadent-modernen Art nicht scheut«22, ließen die »Idealität im Inhalt«23 vermissen, und im heterogenen Gesamtwerk werde, dem hätte Hofmannsthal zugestimmt, eine »unruhige Dichterphysiognomie«24 sichtbar - keine geeigneten Remeduren für den »schon vorher so verwirrten und gesunkenen zeitgenössischen Geschmack.«25 Immerhin hatte man die Kandidatur ernsthaft erwogen. Denn Hofmannsthal war in Schweden einigermaßen bekannt, hatte 1916 Stockholm besucht, auch sah man die Schönheit seiner Verse - und fühlte sich deshalb nicht sicher genug.

 

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Wenn aber die kulturelle Verbindung zu einem anderen Land fürs Urteil nicht mehr ausreicht, dann schiebt sich der Wunsch dazwischen, zu verstehen, was einem nicht gefällt - und die Wertung anderen zu überlassen. Man wußte damals in Stockholm schon, daß man nicht »streng nur unseren schwedischen Geschmack auf Arbeiten von Schriftstellern anwenden darf, die einem Volk angehören, das in seiner Anschauung und Lebensauffassung uns fern steht.«26 Da ist das neue Allgemeine, das den Wert sichern soll, auch gleich genannt: nur wer ein Volk repräsentieren kann, ist ein guter Kandidat. Walther Brecht hat deshalb, aus in Wien geschärftem Instinkt, richtig gehandelt, als er einen Erzbischof, den Präsidenten der Wissenschaftsakademie, den Staatsoperndirektor, und außerdem Richard Strauß und Max Reinhardt als Stützen gewann: »Die Stimmen dieser fünf Männer repräsentieren Wissenschaft und kirchliches Leben, Musik und Theater in Österreich.«27 Idealität war jenes platonisierende ästhetische Kriterium, das auf die breiteste kulturelle Akzeptanz zählen konnte. Brechts Argumentation, die
den »idealistischen« Hofmannsthal mit dem öffentlichen Leben zusammenschloß, wäre es beinahe gelungen, das Vorurteil in Stockholm gegen den modernen, »dekadenten« Hofmannsthal auszuräumen.

Karl Kraus (Kandidat in den Jahren 1926, 1928 und 1930) war weder in Schweden bekannt: Er starb, ohne daß eines seiner Werke ins Schwedische übersetzt worden wäre. Noch erklärte sich ein Österreicher dazu bereit, für ihn nach Stockholm zu schreiben, so daß Charles Andler von der Sorbonne sich rührte. Für den dritten Anlauf konnte er seine französischen Kollegen nicht mehr bewegen, weil sie die
Chancen ihres Paul Valéry nicht gefährden wollten. Die Antwort des germanophilen Hallström hätte man sich ausrechnen können: Die Unterzeichner stellten keine homogene Gruppe dar, und solch journalistische Literatur könne nur

 

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Weltliteratur 

»Immer für den Augenblick das Unanfechtbarste und den Augenblick später schon komisch,« polemisierte Rudolf Borchardt 1929 gegen den Preis als Plebiszit.29 Von Anfang an begleitete harsche Kritik die Entscheidungen und hatte zum Maßstab die Weltliteratur. Eine paradoxe Situation entsteht: Man weiß um den kommunikativen Charakter der Entscheidungen und nimmt hin, daß Literat ist, wer, im bilateralen kulturellen Bezug Schwedens zur Welt, von anerkannten Literaten und Professoren als Literat anerkannt wird. Gleichzeitig vertraut jede raunzige Bemerkung (»Eigentlich verdiene ich den Nobelpreis...«) auf ein literarisches Universum, und ähnlich suchen Preisträger und Juroren frühere
Entscheidungen zu korrigieren und den Kanon zu bessern.30 Gegen die jährlich wechselnden Blickwinkel, die seit 1901 wahrlich eine seltsame Reihe geschaffen haben, und gegen die Probleme, wie sie die Prozedur schafft. Zu ihren Schwächen gehört, daß Fremdes erst verzögert in Schweden wahrgenommen werden kann (Garcia Márquez hat ausgerechnet, daß die meisten Autoren innerhalb von sieben Jahren nach der Vergabe sterben31), aber auch, daß große Autoren zuhause nicht gewürdigt und daher - wie etwa James Joyce - nie vorgeschlagen wurden. Es war bereits ein gutes Ritual, als Canetti 1981 den Preis für die ungeehrten Musil, Broch, Kafka und Kraus entgegennahm; Böll hätte, neun Jahre
zuvor, den Preis lieber mit Grass geteilt; Neruda stufte sich gegenüber Garcia Márquez zurück; O'Neill (1936) stand für Strindberg; die literarischen Nachfahren wurden für die Pioniere geehrt, Ivan Bunin für Tolstoi, Saint-John Perse für Claudel und Valéry, oder auch Nelly Sachs (1966) für die zu früh verstorbenen Expressionisten.

 

Hallström wurde nach 1945 von Anders Österling abgelöst, von jenem Dichter, der 1911 bereits die Elektra übersetzt hatte, und nun öffnete sich der Kriterienkanon erheblich: Man wollte »Bahnbrecher« küren und bezog das auf den eigenen Pantheon. Der Drang zu korrigieren setzte sich in den siebziger Jahren fort. Auf vernachlässigte literarische Gattungen, auf abseits gelegene Sprach- und Kulturgebiete, oder auf originelle aber noch unentdeckte Autoren richtete man die Aufmerksamkeit. Das waren externe Normen, die zur Bestimmung der Qualität nicht ausreichten, man begann sie überdies zu kombinieren und machte damit die Entscheidungen noch unberechenbarer, zumal auch die alten Werte (humanistisch, repräsentativ) eingemischt wurden und man mit Blick auf die Länderstatistik gerecht bleiben wollte: Man denke nur an Canetti und Jaroslav Seifert (1984). Weil inzwischen die ›Moderne‹ klassisch geworden war und kulturell anerkannt, hielt man sich, denn man mußte ja nach all diesen Umwegen wieder zu den Werken kommen und da auswählen, nach wie vor an die »Bahnbrecher«, also an den einigermaßen literarischen Wert der Innovation.

Starke neue Werke entstehen nicht, weil der Autor neue Werke schaffen will, sondern weil er mit den alten und ihren Traditionen in Haßliebe ringt. Unzufrieden ist er aus ihm eigenen Gründen. Diese integrieren seine Welt, und in dem Maß, in dem das gelingt, verliert der Autor aus dem Blick, wovon er sich abstößt. »Innovation« reicht damit als Kriterium für die Charakterisierung eines Werkes nicht aus, aber sie mag als Indiz für die Fähigkeit des Autors genommen werden, die Welt zu bemeistern. Das hat auch eine politische Seite, und die heute im Akademiekomitee arbeitenden Schriftsteller (wie Östen Sjöstrand, Lars Forssell oder Kjell Espmark, der auch Literaturwissenschaftler ist)32 verbinden einen kommunen Modernismus mit der dezidierten Vorstellung, daß ein Dichter sich mit »der Macht« und politischer Barbarei auseinandersetzen muß. Das prägt die Auslegung der ästhetischen Norm und hat nicht zuletzt Frankreich zum Vorbild. Vor kurzem schickte der japanische Nobelpreisträger 1994 Kenzaburo^ O^e seinem französischen Vorgänger Claude Simon (1985) über Le Monde33 einen offenen Brief.
Simon hatte ihm vorgeworfen, daß O^es Kritik an den französischen Atomtests sich gegen Frankreich insgesamt richte. Im Gegenteil, meinte O^e: Die Japaner hätten viel von der Kultur Frankreichs gelernt, vor allem, daß Intellektuelle wie Yves Berger, Jean-Paul Sartre oder eben Claude Simon in der Literatur ein politisches Medium sahen, das er nun eben gegen die Entscheidung Chiracs wendet. So nimmt es
nicht Wunder, daß Erich Kästner 1961 von der schwedischen Literaturkritik dringend für den Preis empfohlen wurde: »In Deutschland ist er der bedeutendste Verwalter der Tradition Heines, und die Zielscheibe für seinen Humor sind dieselben deutschen Laster, die Heine brandmarkte: die Demut gegenüber der Obrigkeit, das sentimentale Selbstmitleid, die mechanische Klassifikationslust und der Trieb zur devoten Unterwerfung.«34

 

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Deutschsprachige Kandidaten haben es heute schwer. Man wünscht sich, sie negierten die Kultur, die man nicht schätzt, und schließt sie so aus dem Kreis jener aus, die Fremdes immerhin repräsentieren dürfen. Die deutsche Kultur hat in Schweden vielerorts längst ihre Faszination verloren, wird nicht einmal richtig abgelehnt, kennt man sie doch kaum mehr. Seit über zwanzig Jahren können schwedische Schüler Deutsch nur mehr als zweite Fremdsprache belegen und ziehen in der Regel das Französische vor, übersetzt wird vor allem die amerikanische
und englische Literatur, die bescheidene Auswahl deutscher Dichter im Programm der Verlage ist für uns kurios. Der Ruhm der Gruppe 47 ist verblaßt, Österreich und die Schweiz waren ohnehin stets hinter dem Horizont, man liest Wallraff, dann etwas Enzensberger (der ja oft in Schweden war) und pflegt immerhin Handke, von dem jedes Buch treulich übertragen wird. Die Germanistik ist dort keine Literatur-, sondern fast ausschließlich eine Sprachwissenschaft, die Vorschläge deutscher Germanisten gehen gerne fremd (Richard Alewyn empfahl 1969 Georges Simenon als »bedeutendsten Schilderer von Menschen und Milieus«35), und in der Akademie ist gerade noch der inzwischen dreiundneunzigjährige Lyriker Johannes Edfelt ein Kenner. Doch bleibt der Geschmack in Stockholm, wenn auch nicht unerforschlich, so immerhin unberechenbar.

 

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Literatur 

Alfred Döblin. 1878-1978, Ausstellung und Katalog von Jochen Meyer in Zusammenarbeit mit Ute Doster, Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1978 (Marbacher Kataloge 30).

Bollack, Jean: »Kulturelle Differenzen im Austausch«, in: Übersetzerpreis zur Förderung der deutsch-französischen Beziehungen. Preisverleihung am 25. April 1995 auf Schloß Ernich, Stuttgart: DVA Stiftung, S. 21-34.

Borchardt, Rudolf: »Zwei Preise« (1929), in: ders.: Prosa IV. Marie Luise Borchardt (Hg.) unter Mitarbeit von Ulrich Ott und Ernst Zinn, Stuttgart: Klett 1973 (Gesammelte Werke in Einzelbänden), S. 248-253.

Burdach, Konrad: »Die deutschen wissenschaftlichen Akademien und der schöpferische nationale Geist«, in: Eranos. Hugo von Hofmannsthal zum 1. Februar 1924, München: Verlag der Bremer Presse 1924, S. 29-60.

Dambacher, Eva: Literatur- und Kulturpreise 1859-1949. Eine Dokumentation, Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1996 (Deutsches Literaturarchiv: Verzeichnisse, Berichte, Informationen 19).

Döblin, Alfred: Briefe, Olten und Freiburg im Breisgau: Walter-Verlag 1970 (Ausgewählte Werke in Einzelbänden, in Verbindung mit den Söhnen des Dichters hg. von Walter Muschg, weitergeführt von Heinz Graber).

Espmark, Kjell: Der Nobelpreis für Literatur. Prinzipien und Bewertungen hinter den Entscheidungen. Aus dem Schwedischen von Ruprecht Volz und Fritz Paul, mit einem Nachwort von Fritz Paul, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1988 (Sammlung Vandenhoeck).

Grau, Conrad: Die Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Eine deutsche Gelehrtengesellschaft in drei Jahrhunderten, Heidelberg u.a.: Spektrum Akademischer Verlag 1993.

Hallström, Per: »Gutachten über Hugo von Hofmannsthal«, in: Hofmannsthal-Blätter 28 (1983), S. 49-79.

Hallström, Per: Die rote Rose. Ein Novellenbuch. Berechtigte Übertragung aus dem Schwedischen von Marie Franzos, Leipzig: Insel-Verlag 1919. [Titelnovelle S. 99-120]

Harnack, Adolf: Geschichte der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, im Auftrage der Akademie bearb. von Adolf Harnack, 3 Bde, Berlin: Reimer 1900.

Herder, Johann Gottfried von: »Idee zum ersten patriotischen Institut für den Allgemeingeist Deutschlands«, in: ders.: Sämmtliche Werke. Bernhard Suphan (Hg.), Bd. 16, Berlin: Weidmannsche Buchhandlung 1887, S. 600-616.

Jens, Inge: Dichter zwischen rechts und links. Die Geschichte der Sektion für Dichtkunst an der Preußischen Akademie der Künste, dargestellt nach den Dokumenten,(1971), zweite, unter Mitarbeit von Norbert Kampe erweiterte und verbesserte Auflage, Leipzig: Kiepenheuer 1994.

Jessen, Heinrich: »Johannes Edfelt. Träger des Henrik-Steffens-Preises 1967«, in: Ausblick. Mitteilungsblatt der Deutschen Auslandsgesellschaft 18 (Mai 1967), H. 1/2, S. 9-12. (Darin: Edfelt, Johannes: Ein Bildhauer ist der Schmerz und Archaisches Bild, übers. von Nelly Sachs).

Koppen, Erwin: »Weltliteratur zwischen Vulgäridealismus und Repräsentation. Der Nobelpreis für Literatur in der Belle Epoque«, in: Teilnahme und Spiegelung. Festschrift für Horst Rüdiger. Beda Allemann/Erwin Koppen (Hgg.) in Zusammenarbeit mit Dieter Gutzen, Berlin/New York: de Gruyter 1975, S. 415-432.

Korlén Gustav: »Karl Kraus und Hugo von Hofmannsthal - zwei gescheiterte österreichische Nobelpreiskandidaten«, in: Moderna Språk, published by the Modern Language Teachers' Association of Sweden 80 (1986) Nr. 4, S. 297-302.

Leitgeb, Hanna: Der ausgezeichnete Autor. Städtische Literaturpreise und Kulturpolitik in Deutschland 1926-1971, Berlin/New York: de Gruyter 1994 (European Cultures. Studies in Literature and the Arts, edited by Walter Pape, Vol. 4).

Loerke, Oskar: Tagebücher. Hermann Kasack (Hg.), Frankfurt am Main: Suhrkamp 1955.

Mann, Thomas: Thomas Mann an Ernst Bertram. Briefe aus den Jahren 1910-1955, Pfullingen: Neske 1960.

Márquez, Gabriel García: »Unerforschliche Ratschlüsse«, in: Neue Deutsche Literatur 31 (1983) H. 3, S. 163-167.

Meyer, Jochen: Berlin - Provinz. Literarische Kontroversen um 1930, 2., durchges. Aufl., Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1988 (Marbacher Magazin 35).

Nielsen, Harald: »Per Hallström. Ein schwedischer Dichter, Deutsch von Richard Guttmann«, in: Xenien 5, 1912, Juliheft, S. 394-402 und Augustheft, S. 483-491.

O^e, Kenzaburo^: Cher Claude Simon, in: Le Monde, 28.9.1995.

Ricarda Huch. 1864-1947, Ausstellung und Katalog von Jutta Bendt und Karin Schmidgall unter Mitarbeit von Ursula Weigl, Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1994 (Marbacher Kataloge 47).

Strindberg, August: »Ein Gerichtshof über Weltliteratur«, Emil Schering (Übers.), in: Die Zukunft 45 (1913), S. 103-105.

»The Swedish Writers Behind the Nobel Prize in Literature. A Tribute to a Venerable Institution Upon Turning Eighty«, in: World Literature Today. A Literary Quarterly of The University of Oklahoma 55 (1981) Number 2, S. 197-256.

Wagner, Karl: »Rosegger im Nationalitätenstreit: Zur Nobelpreis-Affäre«, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 41 (1992) H. 6, S. 5-12.

Walser, Martin: »Nobel und die Nobelpreisträger. Vorwort«, in: Rolf Hochhuth/Herbert Reinoß (Hgg.): Ruhm und Ehre. Die Nobelpreisträger für Literatur. Gütersloh: Bertelsmann 1970.

Wérin, Algot: »Hofmannsthal und Schweden«, in: Nerthus. Nordisch-deutsche Beiträge 3 (1972), S. 173-191.

Werner, Gösta: »Karl Kraus et le prix Nobel. Documentation rassemblée et présentée par Gösta Werner (Stockholm)«, in: Austriaca. Cahiers Universitaires d'Information sur l'Autriche 12 (1986) Nr. 22, S. 25-46.

 

 

 

Anmerkungen

 


1 Das ist die erweiterte Fassung eines Essays in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 5.10.1995. Den Titel hatte auch Strindberg 1913; seine Polemik endete: »Achtzehn unliterarische Räthe und nicht ein kompetenter Richter. Das ist kein Gerichtshof! Das ist nichts!« (S. 105). Vgl. allgemein: Walser 1970; Koppen 1975; Espmark 1988; Leitgeb 1994; Bollack 1995; Dambacher 1996, S. 133-138. Da es nicht zum Thema gehört, rasch die deutschsprachigen Dichter, Denker und Wissenschaftler, die den Nobelpreis erhalten haben: Theodor Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Carl Spitteler (1919), Thomas Mann (1929), Hermann Hesse (1946), Nelly Sachs (1966), Heinrich Böll (1972), Elias Canetti (1981). Zehn und mehr Preisträger gab es noch in Frankreich, Skandinavien, den USA und in England/Irland.

2 Herder 1887, S. 610; vgl. zur Akademiefrage: Harnack 1900; Burdach 1924; Grau 1993.

3 Vgl. Jens 1994; Meyer 1988.

4 Dem Antrag beigelegt wurden Das Leben Friedrich Nietzsches (3 Bde., 1895-1904), Wagner und Nietzsche zur Zeit ihrer Freundschaft (1915) sowie die zwei zusammengehörigen Der junge Nietzsche (1912, neue Aufl. 1922) und Der einsame Nietzsche (1914, neue Aufl. 1922).

5 Den Antrag unterzeichneten die Jenaer Professoren Bruno Bauch, Felix Auerbach, Justus Wilhelm Hedemann, Gottlob Linck, Eduard Rosenthal, Ferdinand Sommer, Friedrich Zucker und Georg Goetz. Außerdem befürworteten noch Hermann Gocht (Halle) und Kurt Breysig (Berlin). Nur Eucken hielt sich zurück, weil er als ehemaliger Preisträger ständig gefragt werde. 

6 Vgl. dazu das Konvolut mit Entwürfen, Gutachten, einer (unterschriebenen) Aufforderung zu unterschreiben, Briefen der Befürworter und Gutachter im Bestand Nietzsche-Archiv (GSA 72/1056) des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar (Stiftung Weimarer Klassik). 

7 Vgl. Wagner 1992. Was die Tagespost am 10.8.1913 meldete, wurde daraufhin auch in Prager Zeitungen wiederholt: »Eine hervorragende Persönlichkeit, deren Voraussagen für die Zuerkennung des Nobel-Preises sich bisher immer bestätigt haben, erklärte, daß der diesjährige Nobel-Preis für Literatur Peter Rosegger zugesprochen werden wird.«

8 Reichspost vom 11.11.1913.

9 Union vom 14.11.1913.

10 An Emil Ertl am 21.11.1913 (zit. Wagner 1992, S. 9f.).

11 Vgl. Fischer, Hans W.: »Arno Holz - Nobelpreiskandidat«, in: Die Literarische Welt 1929, Nr. 40. - Oskar Loerke (1955, S. 163) notierte am 31.12.1926: »Telephonieren mit Stucken und Fulda (auch von Scholz) wegen des Vorstoßes, den Walter von Molo für Arno Holz macht. Will mit der Akademie den Nobelpreis durchsetzen. Empörung in mir. Diese schwachsinnigen Elaborate: Phantasus - Blechschmiede. Es steht wohl schlimm für die Kunst öffentlich, wenn dergleichen als Kunst ausgegeben werden soll.«

12 Vgl. Alfred Döblin 1978, S. 53-55.

13 Alfred Döblin am 12.4.1957 an Harald Kohtz, in: Döblin 1970, S. 492.

14 Ricarda Huch an Elsbeth Merz am 30.12.1929, in: Ricarda Huch 1994, S. 228.

15 Ernst Bertram an Ernst Glöckner am 12.12.1933, in: Th. Mann 1960, S. 256f.

16 Vgl. Espmark 1988, S. 10. Zum Prozedere: Die Schwedische Akademie bildet ein Nobelkomitee, dem drei bis fünf Miglieder angehören, die der Akademie einGutachten schreiben. Ein Kandidat muß vor dem 1. Februar des jeweiligen Jahresvorgeschlagen werden. Vorschlagsberechtigt sind: Mitglieder der Schwedischen Akademie, der Französischen und Spanischen Akademien, Mitglieder »solcher humanistischen Institute und Gesellschaften, die jenen Akademien gleichgestellt sind«,»Lehrer der Ästhetik, Literatur und Geschichte an akademischen Hochschulen« (1949 wurde das präzisiert: Nun waren es Mitglieder aller Akademien und vergleichbaren Institutionen, ohne Einschränkung auch auf Klassen, und als »Lehrer« galten nun »Universitätsprofessoren der Literaturgeschichte und der Sprachwissenschaften«), frühere Preisträger, Vorsitzende der repräsentativen Schriftstellerorganisationen.

17 Zit. ebd., S. 12. 

18 Vgl. Nielsen 1912; Swedish Writers 1981.

19 Hallström 1919. 

20 Ebd., S. 120. 

21 Vgl. die Dokumentation »Hugo von Hofmannsthal und der Nobelpreis« in: Hofmannsthal-Blätter 1983, H. 28; Korlén 1986. Dazu auch mein Buch Hofmannsthal unter den Philologen, das bald erscheint.

22 Hallström 1983, S.62.

23 Ebd., S. 70. 

24 Ebd., S. 71. 

25 Ebd., S. 70. 

26 Zit. Espmark 1988, S. 78.

27 Mit brieflichen Eingaben beteiligten sich an der Aktion der Erzbischof von Salzburg, Ignatius Rieder, Oswald Redlich, der Präsident der Akademie der Wissenschaften in Wien, der Direktor der Wiener Staatsoper, Franz Schalk, und eben

Richard Strauß sowie Max Reinhardt. Die Kandidatur Hofmannsthals wurde auch von Adolf von Harnack unterstützt, dem Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Berlin.

28 Vgl. Werner 1986. Vgl. Rudolf Kassner an Eugen Rentsch am 3.10.1951: »Ja, der Nobel-preis. Wissen Sie, dass noch kein Österreicher den für Literatur bekommen hat!? Es ist reines Lotteriespiel. Ich bin schon oft vorgeschlagen worden, diesmal von Zürich. Die Herrschaften sind sehr abhängig von der Meinung mächtigerer Menschen als das kleine, immer mehr übersehene Österreich hat.« Und am 15.2.1952: »Paris Soir brachte am 3. die Nachricht, am 6. falle in Stockholm die Entscheidung zwischen Mauriac, Katzantakis u. mir. Ich zeige Ihnen die Notiz einmal. Am 6. Abend verkündet 8h0 das Radio: Mauriac; in derselben Nacht erwache ich im Bett, in das ich mich mit grösster Ruhe gelegt hatte, mit einem Schmerz im kleinen Finger der linken Hand, daraus dann das andere wurde. [...] Erfahre, dass in der Jury in Stockholm unter 18 Mitgliedern der Akademie 7 Romanschriftsteller sind.« (Nachlaß Kassner im Deutschen Literaturarchiv Marbach)

29 Borchardt (1929) 1973, S. 253.

30 Zynisch Borchardt ebd., S. 252: »Es ist eine charmante Idee sich vorzustellen wie, wenn die Nobel hundert Jahre früher testiert hätten, die Liste rückwärts zu ergänzen wäre. Wir schlagen vor: Spielhagen statt Keller, Zola statt Flaubert, Turgeniew statt Dostojewsky, Charlotte Brontë statt Emily Brontë, Guerrazzi statt Manzoni, Emilio Castelàr statt der Faber, Longfellow statt Poe und Whitman, Bauernfeld statt Grillparzer, George Sand statt Baudelaire, Giusti statt Leopardi, Gutzkow statt Otto Ludwig, Tennyson statt Browning - dazu Mickiewicz als Unglückspole und Mirza Schaffy als damaliger Tagore zur Completierung dieses Literaturmaskenballs der aufgeklärten Provinz.«

31 Vgl. Márquez 1983, S. 166.

32 1995 setzte sich die Schwedische Akademie zusammen aus: Riksmarskalken Herr Rudholm, Professor Torgny Segerstedt, Professor Sture Allén, Lars Forssell, Professor Göran Malmqvist, Birgitta Trotzig, Professor Knut Ahnlund, Östen Sjöstrand, Torgny Lindgren, Professor Erik Lönnroth, Professor Ulf Linde, Fil. dr Werner Aspenström, Professor Gunnel Vallquist, Professor Lars Gyllensten, Kerstin Ekman, Professor Kjell Espmark, Fil. dr Johannes Edfelt, Katarina Frostenson; davon gehörten dem Nobelkomitee für Literatur an: Espmark, Sjöstrand, Allén, Ahnlund und Forssell.

33 O^e 1995.

34 Olof Lagercrantz in: Dagens Nyheter, 16.8.1961 (übersetzt von Thomas Steinfeld).

35 Richard Alewyn an die Schwedische Akademie am 13.4.1969: »Ich begründe meinen Vorschlag nicht damit, dass - wenn ich richtig informiert bin - nach einer Statistik der UNESCO Georges Simenon unter den lebenden Schriftstellern der meistübersetzte ist. Ich berufe mich auch nicht darauf, dass vor kurzem der 200. Roman von Simenon erschienen ist, denn eine so ungewöhnliche Fruchtbarkeit ist eher geeignet, Skepsis zu erwecken. Mein Vorschlag gründet sich vielmehr auf die Überzeugung, dass Georges Simenon der bedeutendste Schilderer von Menschen und Milieus ist, der heute lebt. Ich kenne überhaupt seit Balzac keinen Schriftsteller, dessen Romanlandschaft so reich bevölkert ist.« (Nachlaß Alewyn im Deutschen Literaturarchiv Marbach). Der Amsterdamer Germanist Herman Meyer schlug 1976 den belgischen Schriftsteller Louis-Paul Boon vor (Korrespondenz dazu im Nachlaß Meyer im Deutschen Literaturarchiv).

 

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