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Lili - Heft 138

 

Thema: Emotionen

Herausgeber dieses Heftes:
Wolfgang Haubrichs





Inhalt

Wolfgang Haubrichs
Einleitung - Introduction

Albrecht Classen
Die vermeintlich vergessenen Kinder in der mittelhochdeutschen Literatur. Emotionsgeschichtliche Erkundigungen
The Allegedly Forgotten Children in Middle High German Literature. Investigations of the History of Emotions

Daniel Lord Smail
Emotions and Somatic Gestures in Medieval Narratives. The Case of Raoul de Cambrai
Gefühle und somatische Regungen in mittelhochdeutschen Erzählungen. Das Beispiel des Raoul de Cambrai

Jutta Eming
Die Maskierung von Emotionen in der Literatur des Spätmittelalters. Florio und Biancefora und Eurialus und Lucretia
The Masking of Emotions in Late Medieval Literature. Florio und Biancefora and Eurialus und Lucretia

Andrea Sieber
Zwischen Norm und Transgression. Gefühle der Feindschaft in Homers Ilias und Herborts von Fritzlar Liet von Troye
Between Norm and Transgression. Feelings of Enmity in Homer's Iliad and Herbort of Fritzlar's Liet von Troye

Andreas Kraß
Neidische Narren. Diskurse der Mißgunst im 'Iwein' Hartmanns von Aue und im 'Narrenschiff' Sebastian Brants
Jealous Fools. Discourses on Envy in Hartmann von Aue's Iwein and Sebastian Brant's Ship of Fools

Sebastian Coxon
Lachen, Spott und Witz in den Nürnberger Jahrbüchern des 15. Jahrhunderts
Laughter, Mockery and Jest in the Fifteenth-Century 'Nürnberger Jahrbücher'

Nicole M. Wilk
Semiotik der Gefühle. Versuch einer Integration der Affekte in eine linguistisch-semiotische Theorie des Verstehens
The Semiotics of Feelings. A Psycho-Semiotical Approach to Integrate Aspects of Emotional Meaning into a Hermeneutical Model

 

Labor

Marcel Lepper
Der zerbrochene Spiegel. Zur Vorgeschichte einer Metapher
The Broken Mirror. The Prehistory of a Metaphor

Julia Genz
Sprache im Bauch - im Bauch der Sprache. Sprachenfresserei bei Yoko Tawada und Stefanie Menzinger
Language in the Belly - In the Belly of Language. Glottophagia in the Work of Yoko Tawada and Stefanie Menzinger

 






 

Wolfgang Haubrichs

 

Einleitung

 
 
 

Seit geraumer Zeit etabliert sich, getragen vor allem von Historikern und Literaturwissenschaftlern, darunter in beträchtlichem Ausmaße Mediävisten, eine Archäologie der Emotionen. Was will diese Forschungsrichtung und wozu bedürfen wir ihrer im Rahmen der Kulturwissenschaften?

 

Im Jahr 1941, mitten im Krieg, schrieb der französische Historiker Lucien Febvre für die ‚Annales d'Histoire Sociale’ einen erst später wirklich einflussreichen programmatischen Essay über „La sensibilité et l'histoire. Comment reconstituer la vie affective d'autrefois”. Darin wies er die verbreitete Auffassung zurück, dass der Mensch sich in seinem eigentlichen Wesen, und damit auch in seiner Oekonomie der Affekte, seiner Auffassung von Gefühlen, seinem Ausdruck von Emotionen, unter der changierenden Oberfläche der Akzidentien und Umstände stets gleich bleibe und sich so das Maß, mit dem der Historiker die Sensitivität, das Empfinden seiner Objekte in der Geschichte bemesse, ihm leicht, quasi als simile, das per similem cognoscitur, erschließe. Auch in den Kategorien und den Habitus der Gefühle herrsche der historische Wandel. Er bedauerte, dass es „keine Geschichte der Liebe, keine Geschichte des Todes, [...] keine Geschichte der Barmherzigkeit, keine der Grausamkeit, keine der Freude” gebe. Wie „das Gefühlsleben der Vergangenheit rekonstruieren”, wenn es diese Werkzeuge nicht gibt?

 

Gewiss sind seit den Forderungen Febvres in der Archäologie der Emotionen Fortschritte gemacht worden, doch sind wir sicherlich noch weit entfernt von dem Ziel einer wirklichen Rekonstruktion der Geschichte der Gefühle. Doch lassen sich immerhin auf der Grundlage einer zunehmenden Anzahl von empirischen Einzelstudien die Arbeitsfelder operationalisieren, auf denen der meiste Nutzen eines emotionsgeschichtlichen Ansatzes für eine kulturgeschichtliche Anthropologie zu erwarten ist - und dies unter steter Beobachtung der Ergebnisse systematisch, nicht historisch arbeitender Nachbardisziplinen wie Psychologie und Soziologie, die nach meiner Auffassung zunächst jedoch nur heuristisch mit einzubeziehen sind, um nicht erneut in die schon von Lucien Febvre bemerkte Falle der vermeintlichen Konstanz von Kategorien zu geraten: Historische Kulturwissenschaft ist eine Schule der empirischen Geduld.

 

Emotionsgeschichte, die Archäologie der Gefühle, lässt sich meiner überzeugung vorwiegend auf drei Operationsfeldern nutzbringend betreiben:

 

1) Auf dem Gebiet der historischen Semantik der Wörter und Begriffe, welche die Einzelsprachen für die Affekte bereitstellen, z.B. für Liebe, Freude, Angst, Schrecken, Trauer, Zorn, Neid, Haß etc. Es wird zu fragen sein, wie sie diese Affektbegriffe in Wortfeldern, in Synonymen, Antonymen, Ober- und Unterbegriffen organisieren. Es wird zu fragen sein, wie sich diese Felder in ihrer Struktur verändern, wie sich die einzelnen Wortzeichen in ihrem Bedeutungsgehalt verändern. Es wird zu fragen sein, wie diese sprachlichen Formungen (z.B. Topoi) aus eigenen, von sprachlichen Handlungsfeldern, Domänen, und Textsorten, Gattungen abhängigen Traditionen gerinnen. Auf diesem Gebiet wird eine sprachwissenschaftlich geschulte Literaturwissenschaft gerade in den welt- und situationshaltigen Formen der Literatur reiches Material an Wortschatz, sprachlichen Schemata, Phraseologien, Mustern, Stereotypen und anderen Verarbeitungsstrukturen auffinden können.

 

2) Auf der uns vorwiegend in sprachlichen und bildlichen Medien und dann in verschiedener Intentionalität (und damit kontrastiv vergleichbar) zugänglichen Handlungsebene, auf der ebenfalls die Ausbildung eigener und wandelbarer Traditionen, Zeremonien, Rituale, Stile und Stereotypen zu beobachten ist, deren Vorgeprägtheit, deren gezielte Durchbrechung und Parodie sowohl in expositorischen als auch fiktionalen Texten erhoben werden kann, deren Reflexe sich sogar in normativen Texten abtasten lassen. Hier liegt ein fruchtbares Feld der interdisziplinären Zusammenarbeit von Historikern und Literaturwissenschaftlern; es wird dabei darauf ankommen, die Quellennarration in breitem, ganze Situationsfelder abgreifenden Kontext, in Längs- und Querschnitten zu interpretieren.

 

3) Auf dem Gebiete der theoretischen, z.B. philosophischen oder theologischen Selbstreflexion der Gefühle und gar der „Ordnung der Affekte” in einer Kultur, deren zeitgenössische systematische Betrachtung hoch zu schätzen ist, jedoch stets auch - als eigene, dritte Codierung, gewissermaßen als Gefühle zweiter Ordnung - im Spannungsverhältnis zu den vorgängigen pragmatischen und sprachlichen Codierungen der Emotionalität gesehen werden sollte.

 

Die in diesem Heft versammelten Beiträge arbeiten zumeist auf den beiden ersten der oben skizzierten Untersuchungsfelder. Albrecht Classen (Tucson) zeigt in seinem überblick „Die vermeintlich vergessenen Kinder in der mittelhochdeutschen Literatur”, dass die vor allem von dem französischen Historiker Philippe Ariès (L'enfant et la vie familiale sous l'ancien régime - 1960) aufgestellte These fehlender affektiver Bindungen zwischen Eltern und Kindern im Mittelalter nicht gehalten werden kann. Die Auswertung gerade der Narrationen mittelhochdeutscher Erzählungen belegt im Gegenteil die Existenz starker emotionaler Beziehungen zu Kindern auch für diese Zeit.

 

Der Historiker Daniel Lord Smail (Fordham University, New York) erschließt ein wichtiges nichtsprachliches Feld der Emotionsforschung in seinem Beitrag „Emotions and Somatic Gestures in Medieval Narratives” am Beispiel der altfranzösischen Chanson de geste Raoul de Cambrai. Neben der expliziten sprachlichen Zuschreibung von Emotionen wie ärger und Kummer an Personen muss der Leser oder Hörer in Narrationen auch Gefühle aus äußerlichen Anzeichen, aus somatischen Gesten wie Erröten, Erbleichen, Weinen usw. erschließen, die sich einer bewussten Steuerung eher entziehen. Am ausgewählten Text wird gezeigt, dass solche unfreiwilligen Gefühlsregungen den Handlungsablauf zentral beeinflussen können. Diese Funktionalität wiederum wirft die Frage nach der Bedeutung emotionaler Selbstgestaltung der französischen Aristokratie im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert auf. Jutta Eming (Berlin) belegt nun in ihrer Untersuchung zur „Maskierung von Emotionen in der Literatur des Spätmittelalters” an den Beispielen des ins Deutsche übertragenen, aber in den Milieus des italienischen Humanismus wurzelnden Romans Florio und Biancefora und der ebenfalls hier verankerten Erzählung Eurialus und Lucretia des übersetzers Niklas von Wyle die Disziplinierung und Kontrolle von Emotionen als eine zunehmend positiv besetzte soziale und kulturelle Technik.

 

Zorn hat Aristoteles in seiner Rhetorik als ein durchaus positives, adliges, dem knechtischen Sinn, der jede Herabsetzung erträgt, entgegengesetztes Gefühl eingestuft. In ihrem Beitrag „Zwischen Norm und Transgression. Gefühle der Feindschaft in Homers Ilias und Herborts von Fritzlar Liet von Troye” untersucht Andrea Sieber (Berlin), ausgehend vom epenmotivierenden Zorn des Achilles die Verwandlung des emotionalen Codes 'Zorn' in einem Troja-Text des hohen Mittelalters und zeigt, wie dieser Text zwar traditionelle Muster von 'Feindschaft' übernimmt, andererseits aber auch „exemplarisch die Regeln der Feindschaft durchbricht”, um den emotionalen Code christlichen ethischen Normvorstellungen anzupassen. Auch Andreas Kraß (Frankfurt a.M.) vergleicht zwei im Fluss der Geschichte verschieden anzusiedelnde emotionale Habitus in seiner Untersuchung „Neidische Narren”, in der er „Diskurse der Mißgunst” im hochmittelalterlichen Artusroman Iwein des Hartmann von Aue und im spätmittelalterlichen Narrenschiff des Sebastian Brant einander kontrastiert. Zwar ist in beiden Texten im Einklang mit christlicher Tugend- und Lasterlehre, die ja schon die Beichte den sich ausbildenden Gewissen einprägte, Neid als ein Negativum dargestellt, doch erschließt sich tieferes, historisch individuelles Verständnis des Affekts erst in der Analyse seiner sozialen Funktion. Als Sünde ethisch gebrandmarkt, ist 'Neid' nicht mit anderen Gefühlen unmittelbar vergleichbar, da in einem zweiten semantischen System verortet. Der Autor entwickelt aus dieser Einsicht heraus eine interessante Kritik der Anwendbarkeit von in modernen Bezugssystemen stehenden Terminologien auf mittelalterliche Texte.

 

Die stets zu beachtende Verschränkung von pragmatischen und sprachlichen Codierungen, Handlungsmustern und sprachlichen Formungen bildet auch den Hintergrund im Beitrag von Sebastian Coxon zu „Lachen, Spott und Witz in den Nürnberger Jahrbüchern des 15. Jahrhunderts”. So steht diese spätmittelalterliche expositorische, chronikalische Quelle für ihre Darstellung des Lachens als eines oft ambivalenten Gefühlsausdrucks einerseits in literarischen Traditionen, andererseits enthüllt sie in der Schilderung von Fragmenten des sozialen Lebens einer Stadt die vorwiegend in einem Kontext von Ehre, Norm und Strafe stehende soziale Natur des Lachens.

 

Zu einer mit linguistischen Theorien des Verstehens korrelierten „Semiotik der Gefühle” versucht Nicole M. Wilk (Hannover) vorzudringen. Aus einer ganz anderen Wissenschaftstradition, der linguistischen des Zusammenhangs von Sprechen und Handeln kommend, gelangt sie doch auch zu Einsichten, die den oben präsentierten emotionsgeschichtlichen Ansätzen ähnlich sind. Sie weist neuere Forschungen zur Funktion von Affekten, körperlichem Empfinden und Gefühlen zurück, welche den ‚Körper’ reduktionistisch als Resultat ausschließlich physiologischer Reaktionen des Organismus betrachten und weist ihm dagegen einen semiotischen Status zu, der linguistische Betrachtung in den Stand setzt, das komplexe Zusammenspiel von sozialem Rahmen, individueller Subjektivität und unbewussten Körper-Imagos aufzudecken. Diese Untersuchung kann die Emotionsgeschichte daran mahnen, dass sie das emotionale Verstehen zeitgenössischer Rezipienten in ihrem rekonstruktiven Bemühen stets mitzudenken hat.

 

In einem 2003 erschienenen Artikel zu „Emotionen und Körperzeichen” (Das Mittelalter, Bd. 8, S. 13ff.) hat Joachim Bumke am Beispiel des Willehalm Wolframs von Eschenbachs vorwiegend die Emotionen des zorn und des träuren besprochen und ausgeführt, dass - möglicherweise auf einer neuen theoretischen Hochschätzung der Affektnatur des Menschen im hohen Mittelalter, auf einer „neuen Emotionalität des 12. Jahrhunderts” aufbauend - „die Dichter die Bausteine einer Poetik des widersprüchlichen Menschen”, als der sich auch Willehalm in seinem affektiven Verhalten erweist, „errichtet haben”. Wenn einmal die Codes und die Semiotik der Gefühle archäologisch und auf breiter Quellenbasis nach rückwärts abgeschichtet sein werden, so wie dies ansatzweise in Barbara Rosenweins Studie von 2002 zu „Writing and Emotions in Gregory of Tours” (in: W. Pohl/P. Herold: Vom Nutzen des Schreibens, S. 23ff.) geschieht, wird es spannend sein, zu sehen, ob die so postulierte novitas der Konstruktion des emotional widersprüchlichen Menschen sich aufrecht erhalten lässt.

 
 



 

Summaries



 

Albrecht Classen

 

The Allegedly Forgotten Children in Middle High German Literature. Investigations of the History of Emotions

 

Contrary to the traditional paradigm originally established by Philippe Ariès (L’Enfant et la vie familiale sous l’ancien régime, 1960), medieval authors often focused their attention on children and the parent-child relationship which was more often than not characterized by strong emotions. With the notable exception of James A. Schultz (The Knowledge of Childhood, 1995), however, the history of emotions concerning children, as it found its perhaps best expression in literary texts, has so far not been studied adequately. Depending on the text selection, we can find surprisingly intensive and emotional relationships between parents and children, or, respectively, little regard for the young sons and daughters. The examples of the anonymous Mai und Beaflor, the anonymous Prosalancelot, Konrad von Fußesbrunnen Die Kindheit Jesu, and Konrad von Würzburg’s Heinrich von Kempten demonstrate that those children who figure prominently as victims or actors enjoy great respect and are treated as what they are: as children. The thirteenth-century authors consistently portray them as lovable, innocent, vulnerable, and in great need of protection. They act as all children would act, and they are loved by their parents with great passion. These findings can also be extended to some earlier (Wolfram von Eschenbach’s Titurel) and later texts (Johann von Würzburg’s Wilhelm von österreich). Moreover, the data gained from these Middle High German examples can also be confirmed through other medieval French and English texts. In light of this literary-social analysis, several conclusions can be drawn: the medieval history of emotions can be well identified and analysed through literary sources; love for children was a phenomenon that emerges in many medieval cultures, hence Ariès’ old thesis can finally be laid to rest.

 





 

Daniel Lord Smail

 

Emotions and Somatic Gestures in Medieval Narratives. The Case of Raoul de Cambrai

 

Old French literature is particularly rich in words and expressions indicating emotions. In many cases, emotions like anger or sorrow are merely attributed to characters. In other cases, however, readers are invited to "read" emotions conveyed by means of somatic gestures, such as weeping, flushing, pallor, or sweating. Understood to be involuntary, these actions constitute an unusual class of gesture generally overlooked in studies of gesture. Through a study of the somatic complex found in the Old French epic Raoul de Cambrai, this article seeks to illustrate how involuntary emotions occupy a central position in the poem's theme and story-line, and suggests how appreciating the poem in its own historical context can illuminate the process of aristocratic emotional self-fashioning in late twelfth- and early thirteenth-century France.

       
 





 

Jutta Eming

 

The Masking of Emotions in Late Medieval Literature. Florio und Biancefora and Eurialus und Lucretia

 

This paper examines strategies of masking emotions in two late medieval texts: the anonymously written novel Florio und Biancefora and Niklas von Wyle’s tale Eurialus und Lucretia. Both texts are rooted in Italian Humanism and its discourses on dissimulatio and simulatio. The author holds that, contrary to courtly literature, the masking of emotions in these texts is used as a positive social strategy. By analysing different constellations of characters in the two texts, the author shows how masking is--sometimes paradoxically-- related to cultural techniques, such as the controlling of physical expression, emotional spaces and letter writing.

 





 

 

 

Andrea Sieber

 

Between Norm and Transgression. Feelings of enmity in Homer’s Iliad and Herbort of Fritzlar’s Liet von Troye

 
 
This comparison examines the evolution of the archaic conflict between Achilles and Hector from Greek epic to the medieval romances of Troy. The definition of enmity as a pattern of emotional behaviour implies new possibilities for the interpretation of Achilles’ stereotype anger. In this context this study tests whether the medieval conception of enmity restore the feeling rules of ancient hostility or transgress these norms. Final this presentation asks the question, to what degree does the transgression of norms shape the idea of enmity.
 
 

 





 

Andreas Kraß

 

Jealous Fools. Discourses on Envy in Hartmann von Aue’s ‘Iwein’ and Sebastian Brant’s ‘Ship of Fools’

 

This article analyses two literary representations of envy in the Middle Ages respectively in Early Modern Times: first, the mocking character of Keie in Hartmann von Aue’s Iwein, second, the envious fool as depicted in Sebastian Brant’s Ship of Fools. While envy - which belongs to the seven deadly sins - is presented as a vicious trait on the surface of both texts, their symbolic and poetic texture hints at a deeper understanding of both the social function and the affective structure of envy that can be described by means of René Girard’s theoretical concepts of the scapegoat and of triangular desire. By referring back to the results of these readings, the third part of the article sketches a methodological critique of recent approaches to a ‘research of emotions’ in German literary and cultural studies.

 
 
 


 




 

Sebastian Coxon

 

Laughter, Mockery and Jest in the Fifteenth-Century ‘Nürnberger Jahrbücher’

 

Laughter is not an emotion but it is often associated with emotions of one kind or another. Just as emotions have a socio-historical variablility about them, so does laughter; and the literary depiction of laughter is as likely to be an ideological construct as that of anger or shame. The following article explores these ideas with reference to the vernacular historiographical tradition of the so-called ‘Nürnberger Jahrbücher’ which provides a remarkable account of life in a late-medieval city. Particular attention is paid to the literary structures used by the foremost writer in this tradition, the beerbrewer Heinrich Deichsler, whose descriptions of laughter, mockery and jest occur predominantly in scenes of public punishment and execution.

 
 





 
 

Nicole M. Wilk

 

The Semiotics of Feelings. A Psycho-Semiotical Approach to Integrate Aspects of Emotional Meaning into a Hermeneutical Model

 

Recent research on the role of affects, bodily sensations and feelings are taking the body increasingly as a result from physiological reactions of an organism that functions genetically and cognitively. Therefore emotionality which is constitutive for the processes of interpreting and understanding could hardly be embedded into a linguistic model that explains the dynamic of semantic and psychological „discourses“. To abandon this reductive glance on the representation of bodily sensations, and also to give up the privileging of objective meaning in relation to subjective sense the author presents a psycho-semiotical model of understanding by reinterpreting psychoanalytical theories of language. It enables linguistic approaches to reveal the interplay of social frames, subjectivity and unconscious body imagos. The invention of the notion ‚Zeichenleib’ draws an neglected epistemological subsidiary line which helps to focus the ‚word feeling’ that undermines the principle of arbitrarity and sets a psycho-social framework within any verbal utterance got its common plausible note.

 
 



   

 

 
 

Labor

 

 

   

Marcel Lepper

 

The Broken Mirror. The Prehistory of a Metaphor

 

In modern texts, the metaphor of the broken mirror illustrates the problem of split identity, disintegration and lost unity. But when we retrace the rhetorical tradition beyond the birth of the autonomous individual, we come across an unexpectedly rich and unfamiliar range of use. A complicated tradition of commentaries leads from Platonic concepts of soul to the scholastic doctrine of the Eucharist. Against this background, mysticism paved the way for protosubjectivism - and ancient ontology, medieval theology, and early modern cosmology left their vast heap of broken pieces to the protagonists of the modern age.

     

 





 

Julia Genz

 

Language in the Belly - In the Belly of Language. Glottophagia in the Work of Yoko Tawada and Stefanie Menzinger

 

The paper deals with the complex metaphor of glottophagia, invented by Louis-Jean Calvet in the context of linguistics and colonialism. In this article I propose to go beyond Calvets own strictly negative use of the term as he focuses on its relation to orality, and instead to link it with the positive literal tradition of eating written language, as e.g. in the Bible and in the Classical Antiquity. From this point of view, glottophagia's poetological function as destroying, combining, and purifying language emerges as a crucial feature of literary texts by Yoko Tawada and Stefanie Menzinger.