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Lili - Heft 157

Zeitschrift für

Literaturwissenschaft und Linguistik

Gefördert aus Mitteln der Universität Siegen

 

 

Thema: Deutsche Debatten


Herausgeber dieses Heftes:
Ralf Schnell und Niels Werber


 
Inhalt

 


Ralf Schnell und Niels Werber 
Einleitung
Introduction
 

 

 

Klaus Vondung 

Debatten um den Holocaust und das Deutungskonzept der ‘politischen Religion’
Debates on the Holocaust and the concept of ‘Political Religion’
 

 

Jürgen Reulecke 

Zwei Söhnegenerationen ohne Väter. Erfahrungsgeschichtliche Aspekte und persönliche Anmerkungen
Two generations of sons without fathers. Observations based on experience history and some personal comments

 

Clemens Knobloch 

Machtübergabe mit Hindernissen: Hochschulreformdebatte in einer gewesenen Bildungs- und Wissenschaftsgroßmacht
Transfer of power with obstacles: A debate on university reform in a former science empire

 

Christina Bartz

Amok: Muster und Genealogie einer publizistischen Debatte von 1964 bis heute
Amok: Patterns and genealogy of a public debate since 1964 until today

 

Lars Koch

Neue Regeln für den Menschenpark? Zur Konvergenz von Biotechnologie, Ökonomie und Gouvernementalität in aktuellen Anthropologie-Debatten
“New Rules for the Human Zoo?” On the convergence of biotechnology, economy and governementality in recent debates on anthropology

 

Hans Ulrich Gumbrecht

Unbegrenzte Verfügbarkeit. Über Hyperkommunikation (und Alter)
Infinite availability. About hyper-communication (and old age)
 

 

Georg Stanitzek 

»Lieblingskind«. Kritikertreffen ’91 (Protokoll/Transkript)
“Favourite Child”: Kritikertreffen ’91 (Protocol/Transcript)


Labor

Christian Stein 

Literatur-Werkzeuge. Über den sinnvollen Einsatz von Computertechnologien in der Literaturwissenschaft
Literature-
Tools. About the expedient use of computer technology in literary science

 

Jianguang Wu  

Das Spiel als Wille und Vorstellung. Eine Interpretation der Helena-Dichtung in Faust II 
The play as will and presentation – an interpretation of the Helena-act inFaust II

 

Remigius Bunia

Fiktion als Darstellung. Von der Wirklichkeit in der Literatur, von Ferienparks und Versuchslaboren
Fiction as representation. Of reality in literature, and about recreation parks and laboratories

 

Ralf Schnell und Niels Werber

Einleitung

Wollte man ein Profil ‚Deutscher Debatten’ seit den 1960er Jahren entwerfen, so ließen sich dessen Umrisse am prägnantesten anhand des Namens von Jürgen Habermas zeichnen. Vom Vorwurf des ‚Linksfaschismus’ an die protestierenden Studenten des Jahres 1967 und dem Beitrag zum Positivismusstreit in der deutschen Soziologie (1969) über die Auseinandersetzung mit Niklas Luhmann zum Thema Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie (1971), die Stichworte zur geistigen Situation der Zeit (1979) und den ‚Historikerstreit’ des Jahres 1986 bis zu den Diskussionen um einen ‚DM-Nationalismus’ im Zusammenhang der deutschen Wiedervereinigung (1989) und den polemischen Anmerkungen zu den von Peter Sloterdijk aufgestellten Regeln für den Menschenpark (1999) – immer wieder war es Jürgen Habermas, der auf eine einzigartige Weise Stich- und Reizworte aufgriff und lancierte, der argumentativ Akzente setzte und Wegmarken vorgab, der nachsetzte, wo es ihm geboten schien, aber auch Revisionen vornahm, wenn dies erforderlich war. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat die Konturen solcher Debatten anlässlich des 80. Geburtstages von Jürgen Habermas in einer Reihe kleiner, pointierter Porträts gewürdigt (FAZ v. 24. Juni 2009) und dabei auf das „symbiotische“ Verhältnis aufmerksam gemacht, das Habermas über Jahrzehnte hinweg zu den Medien entwickelt hat. Das Fundament dieser stupenden Öffentlichkeitswirksamkeit bildet in der Tat ein Verständnis von Philosophie und Sozialwissenschaften, das sich von „politischen Interventionen und Zeitdiagnosen“ (Habermas) nicht nur zu keinem Zeitpunkt dispensiert hat, sondern, ganz im Gegenteil, die allgegenwärtige und alltägliche Praxis des öffentlichen kommunikativen Handelns immer wieder und immer aufs Neue als Provokation für den Philosophen versteht – zu Eingriffen und Einreden.

Es hätte daher nahe gelegen, das vorliegende Themenheft auf Debatten mit und um Jürgen Habermas zu konzentrieren, zumal der achtzigste Geburtstag dieses bedeutendsten, weltweit renommiertesten deutschen Intellektuellen hierzu einen willkommenen Anlass geboten hätte. Dass dies nicht geschieht, dass Jürgen Habermas in einigen der Beiträge dieses Bandes zwar erwähnt, doch durchaus nicht prominent thematisiert wird, hat nichts mit dem inhaltlichen Anspruch von LiLi zu tun. Zwar handelt es sich hier um eine Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik und nicht um – beispielsweise – ein Periodikum für Philosophie und Sozialwissenschaften. Doch sind öffentliche Interventionen in Form von Debattenbeiträgen naturgemäß immer auch sprachlicher und medialer Art; sie bewegen sich notwendig im Diskursrahmen von spezifischen Textsorten und publizistischen Foren; sie folgen, dem entsprechend, den Gesetzen, Regeln und Gepflogenheiten der Rhetorik und der Kommunikation – insgesamt genuine Arbeitsfelder von LiLi, in historischer wie systematischer, linguistischer, literarischer und medialer Hinsicht.

Das Thema ‚Deutsche Debatten’ gleichwohl anhand anderer Diskurse als den von Habermas geführten und zum Teil maßgeblich bestimmten zu verfolgen, hat einen anderen Grund: Von Jürgen Habermas liegt nicht nur mit der Sammlung seiner Kleinen politischen Schriften eine von 1981 bis 2008 fortgeschriebene Bilanz seiner politischen Interventionen und Zeitdiagnosen vor, sondern er hat dieser Summe zudem jüngst unter dem Titel Philosophische Texte (2009) eine fünfbändige Edition von Aufsätzen mit Selbstkommentaren an die Seite gestellt. Im Blick auf diese Ausgabe könnte man von der Begründung einer wissenschaftsgeschichtlich neuen Gattung sprechen, die Habermas in einer gleichlautenden, allen Einzelbänden vorangestellten Einleitung mit dem Hinweis umschreibt: „Die kurzen Einleitungen zu den einzelnen Bänden enthalten Erläuterungen und Kommentare zum Entstehungskontext aus dem Rückblick eines Autors, der am systematischen Gehalt seiner Arbeiten interessiert ist.“ Angesichts dieser fürsorglichen Hegung des eigenen Werkes durch Selbstanalyse und Selbsthistorisierung unter besonderer Berücksichtigung künftiger Wirkungen haben wir davon abgesehen, dem für unseren Gegenstand ‚Deutsche Debatten’ so repräsentativen Autor weiter zu folgen.

Unter ‚Debatten’ werden in den Beiträgen des vorliegenden Bandes Kontroversen verstanden, in einem emphatischen Sinn des Wortes: streitbare Auseinandersetzungen um Gegenstände von öffentlichem Interesse, wissenschaftliche Diskussionen in Grundsatzfragen, prinzipielle Widersprüche und Konflikte angesichts widerstreitender Interessen und Wahrnehmungsperspektiven. Von der Aufarbeitung solcher Debatten versprechen sich die Autoren Aufschlüsse über Diskursstrategien und Kommunikationskalküle, Ausgrenzungsformen und Verdrängungspraktiken, Hegemonieansprüche und Identitätsbildungsmuster, Inszenierungspotentiale und Marginalisierungsprozesse. Materialiter beziehen sich die Aufätze auf unterschiedliche Ebenen und Medien öffentlichen Räsonnements, zu denen die sozialhistorische Analyse ebenso gehört wie die mentalitätsgeschichtliche Untersuchung, der interkulturelle Diskurs und die Bedingungen seines Wandels ebenso wie die Codierungen und Umcodierungen von Sprechweisen des öffentlichen Raums. Dass die hier vorliegenden Analysen und Argumente dabei unversehens zu einer Beteiligung an den aufgearbeiteten Debatten führen und damit selbst zu einem Element der Debatten werden können, liegt – zumal es sich um spezifisch ‚deutsche’ Debatten handelt – in der Natur der Sache, auch wenn sich die thematisierten Gegenstände auf sehr unterschiedliche und auf unterschiedliche Weise relevante Problemfelder beziehen.

Klaus Vondung nimmt in seinem Beitrag die Frage nach den Erklärungsmöglichkeiten für das Skandalon des ‚Holocaust’ auf, eine Debatte, deren Unabschließbarkeit ebenso evident ist wie das Ungenügen an isolierten und isolierenden Deutungsaspekten. Der Rückgang auf Eric Voegelins Begriff der ‚politischen Religion’ bietet, wie Vondung zeigt, einen umfassenden Deutungsansatz für die nationalsozialistische Rasse-Ideologie und den Antisemitismus in Deutschland, der von Historikern bislang noch kaum aufgegriffen wurde. Eine konzise Zusammenfassung der lange Zeit vernachlässigten, erst in den letzten Jahren konzentriert diskutierten Frage nach den infolge des Zweiten Weltkriegs ‚vaterlos’ gewordenen Generationen nimmt der Beitrag von Jürgen Reulecke auf. Die verdrängte Trauer um den verlorenen Vater, die fehlende Orientierungsmöglichkeit an seiner Autorität, die Umcodierung der Mutterrolle und die sozialen Folgen einer defizienten familialen Konstellation, für Jungen wie für Mädchen – dies sind die Stichworte, die dem Kontext einer Generation ‚ohne Väter’ entstammen und die einer interdisziplinären Aufarbeitung noch harren. Eines der in Deutschland aktuellsten und meistdiskutierten Themen nimmt sich der Beitrag von Clemens Knobloch an: der Debatte um die Hochschulreform. Die hier vorgetragene Polemik hat ihren guten Grund in den Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die alltäglich auf die Lehr- und Lernformen an den Universitäten einwirken. Der vehementeste Protest seit 1968, in den Hochschulen wie auf der Straße, bietet den angemessenen Resonanzraum für die hier vorgelegte kritische Analyse. Mit den Debatten über die Faktoren, die als Auslöser für die Attacken von Amokläufern gelten können, setzt sich der Beitrag von Christina Bartz auseinander. Der inzwischen gut aufgearbeitete Ursprung des Begriffs ‚Amok’ und seine interkulturelle Migration werden ebenso nachgezeichnet wie seine Einwanderung in den öffentlichen Diskurs zivilisierter, hoch technisierter Gesellschaften, seine Umdeutung durch die modernen Massenmedien und die entwickelten sozialen Apparate. Es sind in den Massenmedien gut gepflegte Annahmen über ‚die’ Medien, die seit den 1960er Jahren im Amoklauf ihre Bestätigung finden. Der Artikel liefert eine Genealogie dieser subtilen, kaum wahrnehmbaren Formatierungen des Wissens, in dessen Rahmen die Ereignisse zu beobachten sind, über die die Medien berichten. Ein ganz ähnlicher normalistischer Effekt ist jenen anthropologischen Codierungen eigen, die Lars Koch im Spannungsfeld von Biotechnologie, Ökonomie und Gouvernementalität nachzeichnet. Zentraler Bezugspunkt sind hier die von Peter Sloterdijk ausgelösten Debatten um ‚Regeln für den Menschenpark’, eine neue ‚Anthropotechnik’ und die ‚Zukunft des Kapitalismus’, Debatten, in deren Kontext verschiedentlich auch der Name Jürgen Habermas fällt: als der eines Kritikers von Sloterdijks Thesen, aber auch der von Axel Honneth: als Sloterdijk-kritischer Vertreter der Frankfurter Schule. Es geht, so wird angesichts der hier vorgestellten Auseinandersetzungen deutlich, hinter all den vorgetragenen Überlegungen, Argumenten und Thesen immer auch um Meinungsführerschaft und Hegemonieansprüche; und jenseits aller Kontroversen um die Etablierung gouvernementaler Selbststeuerungstechniken, deren bildungspolitische Variante Clemens Knobloch seziert hat. Vergleichsweise entspannt und distanziert präsentiert sich dagegen der Beitrag von Hans Ulrich Gumbrecht über die Problematik einer ‚Unbegrenzten Verfügbarkeit’ im digitalen Zeitalter, in der sich leicht eine weitere Spielform einer liberalen wie effizienten gouvernementalen Selbsttechnik entdecken lässt. Es handelt sich freilich um keine spezifische ‚deutsche’, sondern vielmehr um eine internationale, ja globale Debatte, die bereits seit mehreren Jahren geführt wird. Die Distanz, mit der Gumbrecht auf die entsprechenden Auseinandersetzungen blickt, mag mit dem – eigens thematisierten – Alter des Autors, sie mag auch mit der räumlichen Distanz des Wahlamerikaners zu Deutschland zu tun haben – gewiss aber ist sie kein Indiz für Teilnahmslosigkeit oder Unentschiedenheit. Im Gegenteil: Sie erlaubt einen ironischen, auch selbstironischen Blick auf das, was das kulturelle Feld ‚deutscher Debatten’ an Irrungen und Wirrungen insgesamt in sich birgt. Freilich macht Gumbrechts Selbstinszenierung auch mit aller unironischen Härte klar, dass es Alternativen zur medialen Dauerverfügbarkeit nur noch auf absehbare Zeit und an wenigen Orten geben wird. Dies markiert einen Unterschied zu den großen Interventionen von Jürgen Habermas, die immer von der Überzeugung getragen waren, dass die Kritik zugleich einen Schritt zur Realisierung einer sozialen Alternative unternimmt. Den Abschluss des Thementeils bildet der Beitrag von Georg Stanitzek über eine Kritiker-Debatte – er spricht für sich. Wie schrieb der Essayist Karl Kraus, nachdem er, anstatt eine diskursiv-kritische Auseinandersetzung zu führen, seinen Kontrahenten Alfred Kerr seitenlang im Original zitiert hatte? „Es ist das Stärkste, was ich bisher gegen den Kerr unternommen habe.“

 

 

Lili Summaries Heft 157

 

Klaus Vondung

Debates on the Holocaust and the Concept of ‘Political Religion’

Summary 

Countless studies on National Socialism notwithstanding, debates on the holocaust will not end. Although the development that led to the ‘final solution’ has been thoroughly investigated, the question will be asked again and again how the genocide of the Jews could happen and why it happened in Germany. The article presents the most important debates on the holocaust of the past decades: the dispute among German historians (‘Historikerstreit’) of 1986/87, the debate on Daniel Goldhagen’s book Hitler’s Willing Executioners. Ordinary Germans and the Holocaust of 1996, and the discussion between ‘intentionalists’ and ‘functionalists’ among the historians who have dealt with the holocaust. The article then presents the history and meaning of the concept of ‘political religion’, it shows that Hitler and other leading Nazis cherished an apocalyptic worldview, and it argues that the apocalyptic worldview must be seen as the most poignant manifestation of the National Socialist political religion and as the only plausible explanation of the holocaust.

 


Jürgen Reulecke

Two generations of sons without fathers. Observations based on experience history and some personal comments

Summary

The essay approaches the subject in the context of generational history. It first looks at the greatly increased interest, evident since about the late 1990’s, in the subject of war children and the associated problems. It then examines the way in which those made fatherless by war, especially sons, have in the long term been shaped by their experiences. Focussing on the concept of the ‘fatherless society’ with its many facets, the essay then charts the changing ideas of masculinity and of the father-role from before the First World War through the modern times. This leads up to the (somewhat speculative) question about ‘son-hood’: could it be, and if so to what extent, that a widespread experience of fatherlessness on both an individual and a collective level has also produced something which might be called ‘deprived son-hood’, with many far-reaching consequences for society? A final short digression deals with some possible ways in which researchers in the two different disciplines of literature and of experience history might profitably exchange ideas in the very wide-ranging field.

 

 

Clemens Knobloch

Transfer of power with obstacles: A debate on university reform in a former science empire

Summary

By rendering public universities ‘autonomous’, the German authorities are trying to get rid of the political responsibility for their actual condition which is rapidly deteriorating. The present text sets out to reconstruct the public debates on university reform in the framework of the Bologna Process. Improbable coalitions are wielded together by cleverly picked master terms like ‘Mobilität’, ‘Berufsbezug’, ‘Europäischer Hochschulraum’. These master terms attract public consent even though they are increasingly foiled by the facts. The national myth of the German university is closely related to the name of Wilhelm von Humboldt. While the principles of Humboldt´s university (with their close interlock of research and teaching, their reliance on personality formation by scientific work) are ridiculed as outmoded and unworldly by the proponents of entrepreneurial university in Germany, they are, at the same time and by the same actors, transformed into a brand name for the global marketing of high end university education by for-profit-universities.

 



Christina Bartz

Amok: Patterns and genealogy of a public debate since 1964 until today

Summary

The text deals with a killing frenzy in Germany in 1964. Joseph Vogl calls this case the beginning of the age of amok, because at this time the notion 'amok' begins to refer to an established and stabilized knowledge. The following text wants to discuss Vogl's thesis by scrutinizing the news about persons running amok at that time. My goal is to prove that even though a lot of themes rerun, there are significant changes and shifts in the knowledge of amok after 1964. Especially since the late 1960th the news are focused on debating the impact of media on these sorts of violent crimes. How the correlation of amok and media is designed by the news, is the question of the text.

 


Lars Koch

“New Rules for the Human Zoo?” On the convergence of biotechnology, economy and governementality in recent debates on anthropology

Summary

The article focuses on two fierce debates on the philosopher Peter Sloterdijk, that absorbed German feuilleton in 1999 and again in 2009. Both debates essentially deal with the question, how human nature can be defined in modern times. It is shown that Sloterdijk’s works converge crucial aspects of biotechnology, economy and technologies of the self, aiming at a new anthropology.

 


Hans Ulrich Gumbrecht

Infinite Availability. About Hyper-Communication (and Old Age) 

Summary

In the ongoing reflection about effects of the new means of electronic communication on our social behavior and our individual psychic well-being, the sheer (and in itself banal) aspect of quality is often overlooked. It remains true, nevertheless, that the sharp increase in the number of communicative events and exchanges that we engage in per day has changed some basic structures of our everyday forever. In the first place, constant communication via cellphone (and other related devices) has made us omnipresent/ubiquitous – at the price of never being physically where we are with our mind's attention and perception. This new mobility may have changed our relation to the material world forever. At the same time (and even more astonishingly), electronic communication has not only accelerated the pace of our exchanges; the informal and yet strong obligation to always answer immediately has given the status of ‘availability’ the aura of a quasi-’ethical’ norm. Making us unconditionally available at every moment is a subtle way of self-enslavement. But this reaction may just be the complaint of someone who has now lived ‘beyond’ the technology of his birth years, and who has been put into an existential ‘offside’ by the subsequent technologies.

 


 

Georg Stanitzek

»Favourite Child:« Kritikertreffen ’91 (Protocol/Transcript)

Summary

This text documents a debate about the essay held in the course of the Kritikertreffen in 1991 in Baden-Baden and was subsequently televised. The primary reason for the debate is the German translation of George Steiner’s Real Presences. In addition, works of the essayist Ivan Nagel are taken into consideration, especially his Gedankengänge als Lebensläufe: Versuche über das 18. Jahrhundert. This documentation is of value to essay studies. Even though there are inconsistencies, controversies and contradictions, the arguments brought forward here represent the current state of literary theory discussion from the perspective of a group of prominent German literary critics.

 



Labor

 

Christian Stein

Literature-Tools. About the expedient use of computer technology in literary science.

This article is about computer technologies and methods, which can be supportive for the daily work of literature scientists. Important in this context are the practical advantages, which can be accomplished by scanning and digitalizing texts instead of manually copying them on paper. Afterwards several software tools are introduced which can help to simplify the work with digital texts. In a forecast some possibilities are shown, how next generation software tools could provide advanced assistance for literature scientists.

 

Wu Jianguang

The Play as Will and Presentation – an Interpretation of the Helena-Act in Faust II 

Summary  

This essay argues that Act III of Faust II, the Helena-Act, can be understood as Faust’s fantasy world and the dramatic presentation of his incestuous and blasphemous sense. Helen, Trojan girls or Phorkyas, played by Mephisto, are manipulated figures in the imaginary stage of Faust’s to fulfill Faust’s will of being a god. Euphorion, born out of the marriage of Faust and Helen, can be read as a symbol carrying Faust’s fear of overstepping the human boundary. Euphorion’s fall and death represents the punishment for Faust’s incestuous and blasphemous sense, and it also foreshadows the disasters of the whole Faust Tragedy.


Remigius Bunia

Fiction as Representation. Of reality in literature, and about recreation parks and laboratories

Summary

Literary texts let events, people, and settings appear “before the eyes” of the reader. This capacity of producing an effect of evidentia, however, does not single out literature, but is characteristic of other representational media (such as painting or cartoon) and, moreover, of kinds of representation which are not specifically aesthetic (e.g. newspaper reports). This paper discusses a concept of representation which updates the scholarly tradition linked to this term; but most of all, it aims to enlarge the range of the concept’s applicability to the entire variety of “manifest” imaginations induced by signs. On the one hand, this proposal will prove useful in characterizing fictionality, which is not a phenomenon restricted to art, either. On the other hand, the present paper helps disentangle content from form by introducing the distinction between representation and mode of representation. This new distinction will turn out to be relevant for scholarly readings of literary texts. 

 


Adressen der Herausgeber

Prof. Dr. Rita Franceschini, Freie Universität Bozen/Libera Università di Bolzano, Universitätsplatz 1, I-39100 Bolzano/Bozen, E-Mail: rita.franceschini@unibz.it
Prof. Dr. Wolfgang Haubrichs, Universität des Saarlandes, Fachrichtung 4.1. – Germanistik, Postfach 15150, D-66041 Saarbrücken, E-mail: w.haubrichs@mx.uni-saarland.de
Prof. Dr. Wolfgang Klein, Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Postbus 310, NL-6500 AH Nijmegen, E-mail: wolfgang.klein@mpi.nl
Prof. Dr. Ralf Schnell, Universität Siegen, Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft, Postfach 10 12 40, D-57068 Siegen, E-mail: schnell@germanistik.uni-siegen.de
Prof. Dr. Niels Werber, Universität Siegen, Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft, Adolf-Reichwein-Str. 2, D-57076 Siegen, werber@germanistik.uni-siegen.de



Adressen der Autorinnen und Autoren

Jun.-Prof. Dr. Christina Bartz, Universität Paderborn, Fakultät für Kulturwissenschaften, Institut für Medienwissenschaften, Warburger Str. 100; D-33098 Paderborn, E-Mail: christina.bartz@uni-paderborn.de
Prof. Dr. Remigius Bunia, Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin, E-Mail: mail@litwiss.bunia.de

Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht, Department of Comparative Literature, Stanford University, Building 260, Stanford, CA 94395, USA, E-Mail: tompkins@stanford.edu
Prof. Dr. Clemens Knobloch, Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft, Adolf-Reichwein-Str. 2, D-57076 Siegen, E-Mail: knobloch@germanistik.uni-siegen.de
Dr. Lars Koch, Heidebrinker Str. 2, D-13357 Berlin, E-mail: lars.koch@uni-siegen.de
Prof. Dr. Jürgen Reulecke, Justus-Liebig-Universität Gießen,
Otto-Behaghel-Straße 10 G, D-35394 Gießen, E-Mail: juergen.reulecke@geschichte.uni-giessen.de
Prof. Dr. Georg Stanitzek Universität Siegen, Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft, Adolf-Reichwein-Str. 2, D-57076 Siegen, E-Mail: stanitzek@germanistik.uni-siegen.de
Christian Stein, Bienroder Weg 79, D-38106 Braunschweig, E-Mail: Christian.Stein@Stoneworks.de
Prof. Dr. Klaus Vondung, Am Kornberg 34a, D-57076 Siegen, E-Mail: vondung@web.de 
Prof. Dr. Jianguang Wu, Tongji-Universität, Siping Lu 1239, 200092 Shanghai, China, E-Mail: wujianguangtongji@yahoo.com.cn