Für eine korrekte Darstellung dieser Seite benötigen Sie einen XHTML-standardkonformen Browser, der die Darstellung von CSS-Dateien zulässt.

Lili-Heft 160

 

Zeitschrift für

Literaturwissenschaft und Linguistik

Gefördert aus Mitteln der Universität Siegen

 

 

Thema: Sprache und Biographie

Herausgeber dieses Heftes:

Rita Franceschini 


 

Inhalt

Wolfgang Klein

Editorial


Rita Franceschini

Einleitung
Introduction


Ulla Fix

Sprachbiographien als Zeugnisse von Sprachgebrauch und Sprachgebrauchsgeschichte. Rückblick und Versuch einer Standortbestimmung
Language biographies as evidence of language use and the history of language use. A review and attempt at ascertaining the current status


Anne Betten

Sprachbiographien der 2. Generation deutschsprachiger Emigranten in Israel. Zur Auswirkung individueller Erfahrungen und Emotionen auf die Sprachkompetenz
Language biographies of the Second Generation of German-Jewish emigrants in Israel. The effects of biographical experiences and emotions on linguistic competence


Brigitta Busch

Die Macht präbabylonischer Phantasien. Ressourcenorientiertes sprachbiographisches Arbeiten
The power of pre-babylonian fantasies. Resource oriented biographic work


Daniela Veronesi

Zu wem ghör i jetz?“ bzw. „due lingue che sono entrambe mie“. Sprachbiographien ein- und zweisprachiger Sprecher aus einem Grenzgebiet
“Where do I belong?” or “Two languages that are both mine”. Language biographies of mono- and bilingual speakers in a border area


Bärbel Treichel und Katrin Bethge

Neue Europäische Mehrsprachigkeit. Zum Zusammenhang von Sprache und Biographie in europäischen Lebensgeschichten
New European multilingualism. On the relationship between language and biography in European life histories


Johanna Miecznikowski

Mehrsprachig leben und studieren. Die Sicht studentischer Migranten
Multilingual biographies and academic environments: Student migrants’ accounts


Nicole Eller

“I’m still Bohemian minded!” Eine Untersuchung ausgewählter Sprachbiographien von Sprecherinnen und Sprechern deutschböhmischer Varietäten in aller Welt
“I`m still Bohemian minded!” An analysis of language biographies of German-Bohemian speakers worldwide



Labor


Jan Röhnert

Vom Spleen de Paris zum spleenigen Paris. Michel Deguys Fußnoten zu Baudelaire
Deguy’s Spleen de Paris – a footnote on Baudelaire’s


DominikRiedo

Wolf von Niebelschütz als Redakteur von Wehrmachtszeitungen 1940–1945
Wolf von Niebelschütz’s work as an editor for Wehrmacht newspapers between 1940 and 1945

 



 

Uns betreffend

Mit diesem Heft scheidet Ralf Schnell aus dem Kreis der aktiven Herausgeber von LiLi aus. An seine Stelle tritt Niels Werber, der auch bereits sein Nachfolger als Professor an der Universität Siegen ist. Beide haben schon gemeinsam Heft 157 „Deutsche Debatten” herausgegeben, so dass der Übergang ein gleitender ist. Die übrigen Herausgeber und der Verlag heißen Niels Werber herzlich willkommen.

Das erste Heft, das Ralf Schnell betreut hat, ist im September 1999 erschienen und hieß „Wittgenstein”, das zweite „Taktilität”, das dritte „Vom Scheitern”, das vierte „Beschleunigung”, das fünfte „Germanistik in Ostasien” - eine beeindruckende Vielfalt von Themen die, wie die der anderen Hefte, die folgten, für seine Offenheit und die Breite seiner intellektuellen Interessen so kennzeichnend ist. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass die Vertreter verschiedener Philologien, oder gar die Vertreter der Literaturwissenschaft und der Linguistik, die Zusammenarbeit als Vergnügen und als ernsthafte Bereicherung empfinden; im Herausgebergremium dieser Zeitschrift war es, bei wechselnder Zusammensetzung und bei ganz divergentem Hintergrund, über die Jahre immer so. Dazu gehört eine Eigenschaft, die Ralf Schnell auszeichnet und die man am besten als eine gut austarierte Verbindung von Standbein und Spielbein beschreiben kann - eine solide, haltgebende Verankerung in einen Schwerpunktsbereich einerseits und anderseits eine ausgeprägte intellektuelle Neugier an Themen jenseits der Hauptwege. Ralf Schnell wird der Zeitschrift weiterhin als Berater zur Verfügung stehen. Aber vielleicht lässt er sich sogar bereden, noch einmal ein Heft zu übernehmen. Da würden wir ihm diesmal das Thema „Vom Gelingen” vorschlagen, denn nichts könnte seine Tätigkeit im Lauf der Jahre besser charakterisieren.

Eine der letzten Entscheidungen, die er mitgetragen hat, betrifft die Frage, ob wir künftig ein „peer reviewing system” einführen sollen. Der Druck ist nicht gering. Manchen gilt heute etwas nur als veröffentlicht, wenn es auf Englisch und in einem „refereed journal” erschienen ist. Wir haben uns entschlossen, bei dem bisherigen Verfahren zu bleiben. Das hat drei Gründe. Erstens lässt es sich schlecht mit der Idee der Themenhefte vereinbaren, zu denen Beiträger explizit eingeladen werden; der Herausgeber überlegt sich daher schon vorher, wer zum Thema etwas Substantielles zu sagen hat. Dies heißt nicht, dass alle eingehenden Beiträge auch angenommen werden; manche werden abgelehnt, andere substantiell revidiert; nur entscheidet darüber der Herausgeber allein, nicht eine Gruppe von anonymen Reviewern. Zweitens kommt es bei einem Themenheft darauf an, „das Einzelne durch eine geschickte Behandlungsweise zu einem ganzen Körper zu verbinden“ (Goethe an Wilhelm Grimm) - d.h. man darf die einzelnen Aufsätze nicht nur für sich beurteilen, sondern muss sie als Teil eines Ganzes sehen. Und drittens führt das übliche Reviewing oft genug zu einer eigentümlichen Beurteilungspraxis, bei der die Freiheit von Fehlern, vor allem methodischen, weit höher gewichtet wird als Originalität und Fruchtbarkeit für die weitere Forschung. Um gedruckt zu werden, muss man sich immer schön auf dem Pfad halten. Da fährt die freie Abwägung durch einen allein verantwortlichen Herausgeber oft besser, oder zumindest nicht schlechter. So wollen wir denn dabei bleiben.

 

September 2010 Wolfgang Klein

 

 


Rita Franceschini

Einleitung

Mit dem Thema „Sprache und Biographie“ soll ein aktuelles und noch nicht voll etabliertes Forschungsinteresse aufgegriffen werden. Seit im deutschsprachigen Raum einige erste Monographien und Sammelbände speziell zu Sprachbiographien erschienen sind (s. etwa Fix/Barth 2000; Apitzsch 1996; Meng 2001; Krumm/Jenkins 2001; Adamzik/Roos 2002; Franceschini/Miecznikowski 2004), hat sich das Interesse rund um das Aufwachsen, Leben und die lebensgeschichtliche Situierung von sprachlichen Erfahrungen zu einem breiten Interessensbereich in der Sprachwissenschaft entwickelt. Zwei Gründe mögen hauptsächlich zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Einerseits haben im Zuge des verstärkten Interesses der Mehrsprachigkeitsforschung an lebensgeschichtlichen Umständen, die zur Entwicklung von Sprachkompetenzen beitragen, an Bedeutung gewonnen. Zur Analyse von Repertoires und deren Veränderung und Typisierung werden nicht nur makrosoziolinguistische, sondern auch qualitative, (mikro-)soziolinguistische Methoden herbeigezogen, wie eben jene der sprachbiographischen Interviews. Mittels vertiefter Einsicht in Biographien von Migranten bspw., doch auch anderer mehrsprachiger Personen, kann deren Umgang mit mehreren Sprachen nachvollzogen und modelliert werden. Bisher von der Forschung nicht beachtete Aspekte des Spracherwerbs kommen dabei zum Vorschein; zudem wird das Verständnis dafür geschärft, wie kontextsensitiv Spracherwerb vollzogen wird und wie sich die Sprachpraxis, die Einstellungen und die Kompetenzen im Laufe eines Lebens verändern können. In der Analyse treffen kognitive Ansätze und Kulturtheorien aufeinander.

Andererseits erklärt sich die Hinwendung zu biographischen Bezügen mit dem zunehmenden Interesse, Sprache in einem konstruktiven Sinn bis in die grammatischen Strukturen hinein als konkrete, historisch situierte Hervorbringung zu betrachten. Eine ganze Forschungsrichtung hat sich etabliert, die Kontexte sozialen Handelns unter interaktionellen Aspekten analysiert und die Sprachstrukturen als tief im Gebrauch fundierte Aktivitäten modelliert. Man denke dabei auch an die wachsende Bedeutung der korpusbasierten Analysen und der vielfältigen Ansätze, die unter der Bezeichnung ‚Konstruktionsgrammatik’ seit den 1990er Jahren entwickelt werden. Nicht allein die Bedeutung des Inputs, sondern generell die Häufigkeiten von Konstruktionen und deren Entwicklung beim Spracherwerb z.B., werden somit gebrauchs- und kultursensitiv interpretierbar.

Das Interesse für lebensgeschichtliche Bezüge bei der Entwicklung von Sprachfähigkeiten von Individuen ist in einen noch breiteren, erkenntnistheoretischen Rahmen zu setzen, den man als ‚subjective turn’ in der (Sozio-)Linguistik (und Philosophie) bezeichnen kann: Dabei ist nicht so sehr das Interesse an subjektiven Sichtweisen gemeint, die sozusagen solipsistisch oder (von noch früher herrührend) aus einer essentialistischen Haltung heraus die Phänomene analysieren, sondern Ansätze, die viel mehr von der gestaltenden Kraft von Einstellungen ausgehen und die sozial zur Wirkung gelangenden Konstruktionen ins Blickfeld nehmen. Kurz: Es sieht so aus, als würden Teile der Psycholinguistik sozialer und Teile der Soziolinguistik kognitiver werden.

Im Themenheft und Biographie kommen nun Autobiographien zur Darstellung, die auf das Thema „Erleben und Umgang mit verschiedenen Sprachen im Verlaufe des eigenen Lebens“ fokussiert sind. Gemeint sind vornehmlich Erzählungen von Lebenserfahrungen, die mündlich und sinnstiftend gegenüber einem physisch anwesenden Kommunikationspartner hervorgebracht werden. Die Themen beziehen sich bspw. auf die Erfahrungen im Umgang mit den zuerst erworbenen Sprachen, auf die vergessenen, die gewünschten, die in verschiedenen Lebensabschnitten in Kontakt stehenden Sprachen – in ungeahnten Kombinationen.

Die aus Erzählungen und Erläuterungen bestehenden Daten sind meist über Tiefeninterviews gewonnen worden. Sie weisen einen hohen reflexiven Charakter auf, sind voller Interpretation von Seiten des Erzählers und entziehen sich einer essentialisierenden Lesart. Die Realität des erzählenden Subjekts steht zwar im Vordergrund; diese ist jedoch als Brechung einer kollektiven, gar historisch reiterierten Sinnstiftung zu sehen, die vom analysierenden Subjekt erst noch verstanden werden muss. Die individuell vorgetragenen Narrationen enthalten – das ergibt sich nach umfassenden Vergleichen – Invarianten wie Einzelphänomene, sowohl bei den Sachverhaltsdarstellungen als auch bei den Interpretationen der Subjekte.

Für den vorliegenden Band waren folgende Fragen forschungsleitend:

Was sind Invarianten beim Erzählen des eigenen Erlebens mit mehreren Sprachen im Lebensablauf? Wie werden die eigenen Sprachen in der Erzählung semantisiert? (Sichtweise der sprachlichen Konstruktionen)

Gibt es Konstellationen, die zu einem Zeitpunkt und Ort als historisch gängige angesehen werden können? (Historisch situierte Sichtweise)

Wie lässt sich die Dynamik der lebensgeschichtlichen Veränderung in den Repertoires beschreiben? Gibt es Muster, typische Bewegungen, die beschrieben werden? (Sichtweise der Verlaufskurve)

Wie lässt sich die Rolle von Emotionen fassen? (Sichtweise der Muster der lebensgeschichtlichen Dynamik)

Auf welcher Ebene unterscheidet sich die Dynamik der Beschreibung der Sprachrepertoires der neu in eine Gesellschaft aufgenommenen ‚Migrantengruppen’ von derjenigen in ‚indigenen’ Gruppen? (Sichtweise der Selbst- und Fremdzuschreibung)

Das Forschungsinteresse rund um Sprachbiographien führt zu einer Änderung der Perspektive auf soziale und individuelle Phänomene, ja lässt die in der Vergangenheit teilweise künstlich hergestellte Trennung der beiden Ebenen hinter sich. Besonders augenfällig wird dies bei Fragen des Spracherwerbs: Die Aneignung von Sprache in unterschiedlichem Alter erscheint immer mehr als eine soziokulturell und historisch situierte Handlung, die in konkreten Kontexten eingebettet ist. Zentrale Bedeutung gewinnt dabei die gemeinsame Hervorbringung im Netzwerk pertinent erlebter Aktanten, mediale Kommunikation eingeschlossen.

Das Zustandekommen von komplexen Sprachrepertoires und die Fähigkeit, Varietäten situationsadäquat und sensitiv zu verstehen und einzusetzen werden in autobiographischen Erzählungen einem Gesprächspartner gegenüber besonders transparent und plausibel gemacht. Daraus ergibt sich ein Lupeneffekt, der einzigartig ist: Selten kommen individuelle kognitive Dimensionen so eng mit einer soziokulturellen Textur verbunden vor wie in sprachbiographischen Erzählungen. Für die Analyse verlangt dies eine Herangehensweise, die den Sprecher, seine subjektive Sichtweise mit seinem ‚Sein-in-Gesellschaft-und-Geschichte’ kultursentitiv in Beziehung zu setzen vermag. Der Band soll dazu einen Beitrag leisten – und anregen.

Literatur

Adamzik, Kirsten/Roos, Eva (Hgg.): Biographie linguistiche - Biographies langagières - Biographias linguisticas - Sprachbiographien (Bulletin suisse de linguistique appliquée 76), Neuchatel 2002.
Apitzsch, Ursula: Migration und Biographie, Opladen 1996.
Fix, Ulla/Barth, Dagmar: Sprachbiographien. Sprache und Sprachgebrauch vor und nach der Wende von 1989 im Erinnern und Erleben von Zeitzeugen aus der DDR (Inhalte und Analysen narrativ-diskursiver Interviews), Frankfurt a.M. 2000.
Franceschini, Rita/Miecznikowski, Johanna (Hgg.): Leben mit mehreren Sprachen. Vivre avec plusieurs langues. Sprachbiographien - Biographies langagières, Bern 2004..
Krumm, Hans-Jürgen/Jenkins, Eva-Maria (Hgg.): Kinder und ihre Sprachen – lebendige Mehrsprachigkeit. Sprachenportraits - gesammelt und kommentiert von Hans-Jürgen Krumm, Wien 2001.
Meng, Katharina: Russlanddeutsche Sprachbiographien: Untersuchungen zur sprachlichen Integration von Aussiedlerfamilien, Tübingen 2001.

 



 

Summaries LiLi 160


Ulla Fix

Language biographies as evidence of language use and the history of language use. A review and attempt at ascertaining the current status

Summary

This article centres around conducting language biography-oriented examinations in linguistics, along with classifying them in their scientific-historical context and laying their theoretical foundations, as well as their objectives. In the process, two basic goals are discussed. Firstly, the fact that there is an area of research that is dedicated to evaluating of the role of language from a present-day perpective in the lives of individuals is taken into consideration. Here we see the focus on phenomena such as multilingualism, migration and language acquisition in the context of what they mean for people throughout their lives. However, in this article emphasis is placed more on the other area of research, in that it concerns the extension of the recording of structurally oriented language history from a historical perspective, focusing on the general picture, via a recording of language history based on day-to-day life and individual lifestyles ’from below’: an Oral Language History, collected in focused, descriptive and narrative interviews, making a historical situation from the perspective of the individual accessible. This is a little researched area in the field of linguistics: a study of language on the thinking and speaking via language level, as well as experiencing language, based on the gathering of language awareness content (Schlieben-Lange 1983). Three projects on Oral Language History will be presented in more detail.

 

 

 

Anne Betten

Language biographies of the Second Generation of German-Jewish emigrants in Israel. The effects of biographical experiences and emotions on linguistic competence

Summary

Based on 62 autobiographical narrative interviews with children of German-Jewish refugees from Nazi-terror to Palestine/Israel, some representative case studies have been chosen to illustrate the interdependence of language attitudes and abilities. German was often the first, but never remained the best language of the second generation. It can be proved that the degree of the acquired competence and later maintenance, attrition or loss of the language highly depended on emotional reactions to external experiences, especially in childhood and youth, such as good or bad relations with the family, acceptance or rejection of life style and culture of the parents, mocking or scorn by class mates, stigmatisation of everything originating from Germany by the surrounding Jewish community, etc. Growing insight into the historical and political facts, as well as new cultural orientations played a role in later years – and sometimes positive experiences regarding Germany or German people today, would even further the revitalisation and improvement of the half forgotten language. The analyses show very different psychological reactions to similar situations, and they reveal/confirm that self perception and identity concepts of the individuals have the main impact on their linguistic behaviour.

 

 

 


Brigitta Busch

The power of pre-babylonian fantasies. Resource oriented biographic work

Summary

This contribution focuses on a specific aspect of individual language experience (Spracherleben) which can be observed in language biographical narratives in different forms: desires and imaginations linked to early childhood referring to a 'language before' which can be mobilized as a resource in situations of crisis.

In our multimodal language biographical approach we take the perspective of the speaking subject, this means that not a particular language or variety serves as point of departure, but language experience with its bodily and emotional dimension. We use the term 'language experience' to designate an approach exploring how individuals in their heteroglossic lifeworlds (Lebenswelt) perceive and evaluate their linguistic practices, which experiences, emotions and beliefs they tie to these experiences – or how they position and represent themselves as multilingual beings. The focus is on the one hand on the interrelatedness of language experience and individual life trajectories, on the other on socio-historic configurations with their constraints, power formations, orders of discourse and language ideologies. Our multimodal approach which combines creative drawing (language portraits) and biographical narratives as empirical data foregrounds the entire linguistic repertoire in its heteroglossic dimension and can thus contribute to overcoming dichotomies as those between language of origin and target language, of first language and language of integration.

 

 

 

Daniela Veronesi

“Where do I belong?” or “Two languages that are both mine”. Language biographies of mono- and bilingual speakers in a border area

Summary

Research on ‘language biographies’, as collected by means of narrative interviews, has shown the usefulness of a discursive, qualitative approach when studying bi- and multilingualism, providing insights on how individual speakers perceive, experience and represent languages and their learning paths, and discursively construct their identity. Taking such body of research as a departure point, the paper explores the language biographies of eight speakers living in South Tyrol, investigating the ways speakers represent their linguistic repertoire, specifically the notions of L1 and L2, and bilingualism – its definition, values, advantages and disadvantages that are attributed to it. Particular attention is thereby devoted to similarities and differences in the discursive work carried on by (self-defined) ‘bilingual’ and ‘non-bilingual’ speakers and to the ways these may be related to the larger societal context.

 

 

 

Bärbel Treichel und Katrin Bethge

New European multilingualism. On the relationship between language and biography in European life histories

Summary

This article analyses aspects of the relationship between language and biography in autobiographical accounts of personal experience. It is based on a set of narrative interviews conducted in the context of a European funded framework seven cooperative project with the acronym EUROIDENTITIES. With methods of narrative and biography analysis the article shows that the acquisition of a second language can initiate and support biographical transformation in that it may be seen as an inner territory for reflection and biographical work. Within a European context of biographical development, the knowledge and use of a second European language may open up horizons of comparison and can provide access to alternative ways of living. People who successfully integrate their foreign languages within their biographies develop a particular multiperspectivity. They acquire capacities to perform understanding and mediation work and may be proponents in projects of European reconciliation.

 

 


Johanna Miecznikowski

Multilingual biographies and academic environments: Student migrants’ accounts

Summary

Student migration, universities’ institutionalized multilingual language policies and the use of English for academic purposes make academic environments increasingly multilingual. Biographical narratives may provide useful insights about the students' view on this development. In this paper, five narrative interviews with multilingual first year students of the Università della Svizzera italiana (Lugano) have been analyzed, paying attention to the rhetorical organization of narrative and argumentative discourse. The university requires these students to learn Italian, a second Swiss national language and English. All students have acquired competences in several languages and have developed similar lay theoretical explanations of language acquisition. When it comes to the way the first period of studying at university has been experienced, however, the students' narratives and assessments differ. One student feels isolated and under strong time pressure because confronted with three foreign languages in top of the regular study program. The others consider one or two of the required languages as a first language and have satisfying social contacts, partly within groups of students having the same origin. Besides good linguistic competence in several languages, shared cultural experience appears to be a key resource for accessing social networks and informal learning situations in the first weeks of study.

 

 

 

Nicole Eller

"I`m still Bohemian minded!" An analysis of language biographies of German-Bohemian speakers worldwide

Summary

This article describes language biographies of a group of people whose ancestors left their homeland, which is now part of the Czech Republic, and settled in the USA, in South America, in New Zealand, in Romania and in the Ukraine during the 19thcentury and passed on their family language to following generations.

The main aim of this article is to explore similar figures of narration which were recorded with several speakers of German-Bohemian varieties.

 

 

 

Labor


Jan Röhnert

Deguy’s Spleen de Paris – a footnote on Baudelaire’s Le Spleen de Paris?

Summary

The prose poem as modernist achievement in order to cross boundaries between the genres is basically associated with Charles Baudelaire’s Le Spleen de Paris. It has been subject to various refinements such as Rimbaud’s Illuminations or the surrealist prose experiments. However, Baudelaire’s breakthrough is far from being sole literary history when we consider contemporary French poetry. Deconstructionist philosopher Michel Deguy, one of its leading figures since the 1960’s, ‘recycles’ Baudelaire into a Spleen de Paris whose spleen has turned into critical inquiry about the globalized metropolis; and whose flâneur has become, if anything at all, a mere cyclist.



Dominik Riedo

Wolf von Niebelschütz’s work as an editor for Wehrmacht newspapers between 1940 and 1945

Summary

What exactly Wolf von Niebelschütz did as a soldier in a propaganda unit during the wartime years of 1940–1945, and whether the Wehrmacht newspapers he took care of still exist, was not clear until recently. This article brings together all the currently available information on the German writer's period of service in France and Germany and analyses the articles from the newspapers that were found. Whilst it is clear that the articles written by Niebelschütz are German wartime propaganda, it also becomes clear that the writer's articles were not nearly as defaming as those of his propaganda unit colleagues. Moreover there were several attempts by Niebelschütz to stop working for the military, as well as clear remarks in letters to his relatives about his aversion to the kind of work he was doing. After his efforts to leave the military failed, he continued to work for the propaganda unit, apparently because he believed that this would be the easiest way to increase his probability of surviving the war.



 

 

Adressen der Herausgeber

Prof. Dr. Rita Franceschini, Kompetenzzentrum Sprachen, Freie Universität Bozen/Libera Università di Bolzano, Universitätsplatz 1, I-39100 Bolzano/Bozen, E-Mail: rita.franceschini@unibz.it
Prof. Dr. Wolfgang Haubrichs, Universität des Saarlandes, Fachrichtung 4.1. – Germanistik, Postfach 15150, D-66041 Saarbrücken, E-mail: w.haubrichs@mx.uni-saarland.de
Prof. Dr. Wolfgang Klein, Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Postbus 310, NL-6500 AH Nijmegen, E-mail: wolfgang.klein@mpi.nl
Prof. Dr. Niels Werber, Universität Siegen, Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft, Postfach 10 12 40, D-57068 Siegen, E-mail: werber@germanistik.uni-siegen.de


Adressen der Autorinnen und Autoren

Katrin Bethge, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Germanistik, Postfach 4120, D-39016 Magdeburg, E-Mail: katrin.bethge@ovgu.de
Prof. Dr. Anne Betten, Universität Salzburg, Fachbereich Germanistik, Akademiestraße 20, A-5020 Salzburg, E-Mail: anne.betten@sbg.ac.at
Univ.-Prof. Dr. Brigitta Busch, Universität Wien, Institut für Sprachwissenschaft, Berggasse 11, A-1090 Wien, E-Mail: brigitta.busch@univie.ac.at
Dr. Nicole Eller, Universität Regensburg, Institut für Germanistik, Universitätsstr. 31, D-93053 Regensburg, E-Mail: nicole.eller@sprachlit.uni-regensburg.de
Prof. Dr. Ulla Fix, Universität Leipzig, Institut für Germanistik, Beethoven-Straße 15, D-04107 Leipzig, E-Mail: u.fix@t-online.de
Dr. Johanna Miecznikowski, Università della Svizzera italiana, Istituto di studi italiani, Via Giuseppe Buffi 13, CH-6904 Lugano, E-Mail: johanna.miecznikowskifuenfschilling@usi.ch
Dominik Riedo, lic. phil, Rosegarte, CH-6113 Romoos, E-Mail: dr@dominikriedo.ch
Dr. Jan Röhnert, Thomas-Müntzer-Str. 23, 99423 Weimar, E-mail: info@janroehnert.de
PD Bärbel Treichel, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für fremdsprachliche Philologien/Anglistik & Institut für Soziologie, Postfach 4120, D-39016 Magdeburg, E-Mail: baerbel.treichel@ovgu.de
Dr. Daniela Veronesi, Kompetenzzentrum Sprachen, Freie Universität Bozen, Universitätsplatz 1, I-39100 Bozen, E-Mail: Daniela.Veronesi@unibz.it