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Lili-Heft 164

 

Zeitschrift für

Literaturwissenschaft und Linguistik

Gefördert aus Mitteln der Universität Siegen

 

 

Thema: Ethnizität 

 

 

Herausgeber dieses Heftes:

Rita Franceschini und Wolfgang Haubrichs

 

Editorial

In eigener Sache

Man erzählt, dass Immanuel Kant auf der Feier zu seinem fünfzigsten Geburtstag vom Festredner mit den Worten angeredet wurde: „Ehrwürdiger Greis”. Es war als Ehre gemeint, aber als ‚Greis‘ bezeichnet zu werden, und dies mit fünfzig Jahren, hat schon etwas Zwiespältiges. Als vor vierundvierzig Jahren der Doktorvater von Wolfgang Haubrichs, der auch mein Doktorvater war, sechzig Jahre alt wurde, da wurde auf der Feier zu seinen Ehren kein Streichquartett gespielt, sondern Walthers „Elegie” vorgetragen:

Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr!
ist mir mîn leben getroumet, oder ist ez wâr?
daz ich je wânde ez wære, was daz allez iht?
dar nâch hân ich geslâfen und enweiz es niht.
nû bin ich erwachet, und ist mir unbekant
daz mir hie vor was kündic als mîn ander hant.
liut unde lant, dârinne ich von kinde bin erzogen,
die sint mir worden frömde reht als ez sî gelogen.
die mîne gespilen wâren, die sint træge unt alt.
vereitet is daz velt, verhouwen ist der walt:
wan daz daz wazzer fliuzet als ez wîlent flôz.
...

Es war bewegend, es war überaus bewegend, aber ich erinnere mich noch gut, dass der seinerzeit so Geehrte es mit gemischten Gefühlen gesehen hat, denn mehr noch als die Anrede „ehrwürdiger Greis” scheint es zu sagen: Dein Leben ist eigentlich vorbei. Aber das ist es natürlich nicht, das Leben eines Gelehrten, zumal in den Geisteswissenschaften, währt lang. Als Immanuel Kant fünfzig Jahre alt wurde, da waren seine bedeutendsten Werke noch nicht geschrieben: die drei Kritiken, die Metaphysik der Sitten, der Streit der Fakultäten – all das lag noch vor ihm.
 
Vor einundvierzig Jahren hat Wolfgang Haubrichs, gemeinsam mit Helmut Kreuzer, Rul Gunzenhäuser und mir diese Zeitschrift ins Leben gerufen. Das inhaltliche Spektrum der Hefte, die er seither konzipiert und herausgegeben hat, ist von schwer glaublicher Breite und Innovativität; es hat seinen Kern in der mediävistischen Literaturwissenschaft, greift aber – der Programmatik der Zeitschrift getreu – weit darüber hinaus. Einer der bedeutendsten Germanisten unserer Tage sagte vor einiger Zeit zu mir, als das Gespräch auf Wolfgang Haubrichs kam: „Solche Mediävisten gibt es heute nicht mehr”. Er meinte damit die Verbindung von fachlicher Breite und Tiefe, wie man sie sonst nur von den Germanisten des 19. Jahrhunderts kennt. Nun, nach seiner Emeritierung, ist Wolfgang Haubrichs auf eigenen Wunsch aus dem Kreis der Herausgeber ausgeschieden; wir sind gespannt, welche Werke er in den nächsten Jahren vorlegen wird. Seinen Nachfolger, Hartmut Bleumer, hat er selbst vorgeschlagen, und die übrigen Herausgeber heißen ihn hier noch einmal willkommen.

Wolfgang Klein im Namen der Herausgeber/in
 

Inhalt


Einleitung
Introduction
Wolfgang Haubrichs
Ethnizität zwischen Differenz und Identität. Sprache als Instrument der Kommunikation und der Gruppenbildung im frühen Mittelalter
Ethnicity between Difference and Identity. Language as an Instrument of Communication and Group Formation in the Early Middle Ages

Ian Wood
The Term ‘barbarus’ in Fifth-, Sixth-, and Seventh-Century Gaul

Maria Besse
Familie, Genealogie und Ursprungsmythen in der älteren deutschen Literatur
Family, Genealogy and origo in Medieval German Literature

Angelika Redder
‘Ethnizität’ und Mehrsprachigkeit
‘Ethnicity’ and Multilingualism

Jannis Androutsopoulos
Die Erfindung ‚des‘ Ethnolekts
Inventing ‘the’ Ethnolect

Enrica Cortinovis
Local, Global and Ethnic Orientation in the Communicative Practices of Albanian Speaking Adolescents in Bolzano, Italy

Labor

Melanie Leidecker
Auf den Spuren öffentlicher Meinung im mittelhochdeutschen Minnesang
Traces of Public Opinion in Middle High German Minnesang

Matthias Plumpe
Dilettant/Genie. Zur Entstehung einer ästhetischen Unterscheidung
Genie/Dilettant. The Genesis of an Aesthetic Distinction in the Period Around 1800


 

Rita Franceschini und Wolfgang Haubrichs


Einleitung


Diskurse, in denen auf Ethnizität Bezug genommen wird, erfahren in neuester Zeit in Europa eine Art Revival: Während im angelsächsischen Raum Bezeichnungen von Moden in Musik, Gastronomie und anderen Feldern die Qualifikation mit ‚ethnic’ ununterbrochen und mit neutralen bis hin zu positiv neigenden Konnotationen weitum Verwendung fanden und finden – ja auch im Wissenschaftsdiskurs –, war das Wortfeld in Europa, vor allem im deutschsprachigen Raum, aus historischen Gründen im Wissenschaftsdiskurs weitgehend verbannt, der die rassische Kontamination des Begriffs, auch wenn er ganz andere, bis in die Antike zurückreichende, gerade nicht biologisch definierte Wurzeln hat, noch gegenwärtig.
Einiges hat sich geändert: Mag es mit der Übernahme von angelsächsischem Habitus zu tun haben oder aus innereuropäischen Gründen – wie das Wiederaufflammen von Nationalismen oder die Salonfähigkeit von raffiniert rassischen Zuschreibungen –, die Diskurse, in denen unhinterfragt der Begriff Ethnizität und seine Derivate verwendet wird, scheint in Zunahme begriffen zu sein. In diesem Prozess der (Wieder-)Verbreitung ist er neutraler geworden, doch können dazu auch Zweifel aufkommen. Sicher ist, dass die Begrifflichkeit nicht nur in den Medien, sondern auch in der Wissenschaftswelt eine wohl neue Erklärungskraft zu gewinnen scheint. Wie neu denn diese ist, soll hinterfragt werden.
In diesem Heft sollen einige Positionen zu dieser komplexen Uminterpretation von einem historischen Hintergrund aus aufgerollt sowie an Gegenwartsdiskursen auf deren Konstituenz hin untersucht werden. Nicht alle Pfade, die die Begrifflichkeit genommen hat, können nachvollzogen werden, doch die wesentlichsten engen Verbindungen zwischen Wissenschafts-, Experten-, Mediendiskursen und deren gesellschaftlichen Einbindungen sind in den folgenden Beiträgen zu lesen. So ist in der Wissenschaft der Moderne der Begriff der Ethnie aus dem Erbe der Ethnologie hervorgegangen, von wo aus der Begriff sich in den Sozialwissenschaften und in interpretativen Ansätzen der Sprachwissenschaft ausgebreitet hat. Gleichzeitig ist der Begriff in den historischen Wissenschaften aus dem Erbe der antiken Ethnographie und zugleich unter dem Einfluss ethnologischer Komparatistik zu einer wichtigen Beschreibungskategorie geworden. In den letzten Jahrzehnten konnte man freilich beobachten, wie aus dem Wissenschaftsdiskurs heraus der Begriff ohne Hinterfragung in den Medien Verbreitung gefunden hat. Als Beispiel möge die Berichterstattung zum Balkankonflikt dienen: Die Konflikte wurden nicht selten mit Verweis auf ethnische Differenzen (oder auch religiöse) erklärt. Ethnien erschienen in solchen Diskursen wie etwas, was es greifbar gibt: So lautete die subkutane, und deswegen nicht minder wirkungsvolle Botschaft, die zu den Kollateralschäden der Medienbotschaften gezählt werden können. Ethnien werden somit zu Entitäten, die klar umrissen sind, Körper haben, die in sich eine Kraft tragen, weswegen sich Leute die Köpfe einschlagen, und noch Brutaleres vermögen.
Über solche und andere Botschaften werden Ethnien essentialisiert. Der Beobachter und sein Standpunkt werden ausgeblendet. Bis zu einem offenen oder verdeckten Rassismus kann der Weg dabei kurz bemessen sein. In diesem Sinne werden Ethnien in der Regel nicht als Selbstzuschreibung genutzt, sondern ‚andere’ bilden jeweils Ethnien, so etwa die Bosnier, die Roma, aber spricht man von Bayern oder Sachsen auch als Ethnien? ... Der Begriff wird perspektivisch genutzt; und ist er nur in der Wissenschaft neutral geblieben?
Der Begriff des ethnos hat eine lange, bis weit in die Antike zurückreichende Geschichte. Dem Imperium Romanum war er unabdingbar, um einerseits die in ihm selbst enthaltene Diversität nach Abstammung und Differenzen, zumeist unter dem lateinischen Begriff gens, zu kennzeichnen, um andererseits die außerhalb des Imperiums agierenden Völker als gentes oder gar unter dem imperiozentrisch abwehrenden Begriff der Barbaren zu fassen. Die Geschichtswissenschaften, in vollem Bewusstsein dessen, dass solche Ethnien und gentes fluktuierende Gebilde waren, fragen heute, welche Kriterien - wie Sprache, familiäre Abstammung, Verhalten, Kleidung, Rechtsgewohnheiten und Religion - zur Identität dieser Gebilde beitrugen. Die Diskussion ist noch in vollem Fluss. Doch wird sich nicht leugnen lassen, dass in der longue durée auch unsere eminent eurozentrischen, wenn auch seit dem Zeitalter des Kolonialismus immer wieder an den „Anderen“ überprüften Vorstellungen von Ethnien, Stämmen, Völkern (race ist erst eine Erfindung der späten Neuzeit) auf diesem alten Grund gewachsen sind.
In der Sprachwissenschaft hat man begonnen, ethnische Codes zu untersuchen, die Gruppen unter sich – oder vor anderen – verwenden und sich von der ‚legitimierten Sprache’ unterscheiden. Gruppenidentität, die in irgendeiner Weise mit nationalen oder sichtbaren Zeichen einhergeht (Kleidung, Hautfarbe, etc.), verleitet, gleich auf eine ethnische Identität zu schließen; ja ‚Identität’ wird denn auch gerne als Quasi-Synonym gebraucht und mit dem Begriff der Ethnie eng verknüpft. Josuah Fishman, ohne jeden Zweifel weit entfernt von rassischen Zuschreibungen, spricht in seinem umfassenden Handbook of Language and Ethnic Identity (von ihm und Ofelia Garcia 1999 herausgegeben) von „Ethnocultural areas“, von „Individual ethnic histories“ und „regional ethnolinguistics concerns“. Können wir dies in gleicher Weise etwa in deutscher Sprache tun? Auch nur ein leichtes Zögern deutet an, dass historische Konnotationen noch gegenwärtig sind.
Wenngleich im Wissenschaftsdiskurs versucht wird, die kulturellen Aspekte bei der Analyse rund um ethnische Codes ins Zentrum zu stellen (und nicht die biologisch-rassischen, die Zeiten sind hoffentlich ein für allemal vorbei), so haftet dem Begriff und seiner Verwendung dennoch etwas an, was ‚von oben herab’ auf andere projiziert wird. Die Verwendung erinnert da und dort an koloniale Diskurse. Andererseits wird man die Selbstzuschreibungen von Identitäten, die sich gerade an Körperzeichen, sprachlichen Differenzen u.a., wenn auch oft arbiträr, festmachen, nicht außer Acht lassen dürfen.
In dieser zirkulären Verfestigung des Begriffs zwischen Geschichte, Medien- und Alltagsdiskurs spielt die Wissenschaft mit ihren Expertendiskursen eine wesentliche Rolle. Sie trägt dazu bei, den Begriff zu formen und zu legitimieren, zu reiterieren. Es wird möglich, gepflegt Eigenschaften von Gruppen in leicht deterministischer Weise zu beschreiben, mit einfachen Fremdzuschreibungen.
Wie steht es nun mit diesem vielschneidigen Begriff in der Geschichte und in der Gegenwart? Der Begriff scheint – wie andere Kategorisierungen von Gruppen auch – eine Notwendigkeit einzufangen, fremde oder eigene Gruppen oder Personen in Ordnungen zu fassen. Die Zuschreibung von Alterität ist dabei konstitutiv; gemeint ist, dass eine Gruppe als ‚anders’ von der eigenen gedacht wird und abweichend von einer Norm taxiert wird. Wie dies in historischen Zeiten gesehen und in Worte gefasst wurde, gehen die ersten drei Beiträge des vorliegenden Bandes nach. Auf diese historische Betrachtung, wie Alterität konstituiert wurde – v. a. aufgrund welcher Merkmale – folgen drei Beiträge, die eine gesellschaftspolitische und medienkritische Darstellung zeigen, sowie konkrete Beispiele, wie die Zuschreibung von Alterität in der Spiegelung der Interaktanten im gesellschaftlichen Diskurs zustande kommt. Wofür steht der ‘ethnische Code’, worauf verweist er?
Abgrenzungen, die auch manipulativ eingesetzt werden können, sind Teil unseres Denkens. Gemäß welchen Kategorien dies geschieht, ist von gesellschaftlichen Faktoren mitbedingt und ändert sich in der Zeit, aufgrund sozialer und kultureller Bedingungen. Der Begriff Ethnie scheint nun besonders wirksam in Zeiten zu sein (eingeschlossen die Zeit der großen Migrationen der Spätantike und des Mittelalters), in der Neuzugewanderten und deren Nachfahren mit Fremdheit begegnet wird. Mag es deshalb ein Zufall sein, dass auch in unseren Jahren dieser Begriff ein neues Einsatzfeld gefunden hat?


 

 

Summaries LiLi 164

Wolfgang Haubrichs

Ethnicity between Difference and Identity. Language as an Instrument of Communication and Group Formation in the Early Middle Ages

Language has long been regarded as an element of the identity of groups, peoples and gentes and is still considered as such today. Lately historians have tended to regard the role of language to be less of a factor in defining identity in the Middle Ages, on account that it was not often mentioned as an instrument and method of communication by the written sources of the time. This, however, may just be a matter of perception, considering that these texts scarcely speak of everyday life and that widespread diglossia and bilingualism reduced difficulties in communication. Indirect sources however, such as names, loanwords, ethnonyms, inscriptions, formulas, plays on words etc. give a better indication of the importance of linguistic difference and language continuity for the self-conscience of ethnic groups. These impressions correspond with contemporary theoretical reflections about the nature of gentes and peoples, which arranged language as a criterion of difference and as a mark of identity, along with origin (genus), custom (mores), and law (leges).


 



Ian Wood

The term 'barbarus' in fifth-, sixth-, and seventh-century Gaul
Summary
It is well known that the Romans, like the Greeks, looked down on the barbarians. The very word barbarus, which was supposed to echo the inability of the barbarian to speak, is an indication of the extent to which it represented the Other. For the Roman the barbarus was usually both savage and dangerous. Despite this image, the fifth and sixth centuries saw some important changes in the implications of the term. The first major change came in the writings of Christians. The Christian barbarian was certainly more laudable than the pagan, and he or she might be more laudable than a pagan Rohman. For Salvian the barbarian might be more laudable than any Roman: just as Tacitus used the Germani to criticise the Romans of the late first and early second century, so Salvian used the barbarus of the mid fifth century to attack the behaviour of his fellows. A more dramatic change in the implications of the word came with the acquisition of power by the rulers of the kingdoms which emerged in the ruins of the Roman Empire. The Gibichungs in Burgundy were happy to accept the word barbarus as a descriptor of their own followers, as it appears were the Visigoths, the Ostrogoths and the Franks. The term is used in this manner in Burgundian, Gothic and Frankish law codes. It thus came to indicate one's race, and could be used without any sense of it being pejorative or a marker of inferiority. The word did, however, continue to have negative implications in certain texts. In works of hagiography it could carry connotations of heresy: because many of the Germanic peoples passed through a phase in which they followed arian rather than orthodox doctrine, the word barbarus could be used to distinguish the arian barbarians from catholic Romans. Moreover, the strikingly neutral use of the word in the law codes came steadily to be outweighed in the course of the seventh century by a rather more traditional stress on the barbarus as dangerous, and increasingly as a hostile neighbour, who might either be a heretic or a pagan.


 



Maria Besse

Summary
Family, genealogy and origo in Medieval German literature
The search of origins is a basic pattern of the society of the Middle Ages, which was also used by medieval poets. This essay examines the role of family, genealogy and the myth of noble or divine origins in the older German literature, above all in the medieval romances of the legendary king Artus/Arthur and of the Grail. On the basis of Le Roman de Perceval ou Le Conte du Graal from Chrétien de Troyes, Wolfram von Eschenbach created a gigantic system of relationships which poets took over or changed later on. In it, Mazadan and the fairy Murgan (Terdelaschoye) are the earliest ancestors. The Pleier (an author of the 13th century) e.g. invented new protagonists and linked them to this system. Albrecht, however in his Grail-romance, changed those famous origins. The dynasty of the Grail, he let begin with the myth of Troja. In the Spruch von den Tafelrundern the well-known Merlin takes the position of the first ancestor. In following romances like Lohengrin and also in the Buch der Abenteuer from the bavarian author Ulrich Füetrer, the relation between creatures of the other world and human beings become unstable. But nevertheless, all these texts worked together in the process of forming a great genealogy of poetic heroes.


 



Angelika Redder

‘Ethnicity’ and Multilingualism
Summary
The article discusses the terms ‘ethnicity’, ‘ethnolect’ and ‘ethno-’ and their use in current sociolinguistic discourse from a metalinguistic and political perspective. Leading questions are: (1) Why are these terms so attractive? (2) Does the addition of ‘ethno-’ help to overcome shortcomings of structural linguistic theories? (3) What is the relationship of these terms to ‘(inter-)culture’ and ‘intercultural communication’? (4) Do the terms provide new insights into societal multilingualism? (5) Does the concept of ‘style’ adequately describe the use young people from different language backgrounds make of linguistic expressions? -The paper articulates critique of ‘ethnicity’, ‘ethnolect’ and ‘ethno-’ as coverterms for societal dimensions of language and linguistic actions and questions their explanatory conceptual character. It argues in favour of precise distinctions for the analysis of linguistic and/or ideological phenomena in their societal embeddings.


 



Jannis Androutsopoulos

Inventing ‘the’ ethnolect
Summary
The paper takes a critical look at the discourse processes that lead to the language-ideological formation of ‘the ethnolect’ as a distinct variety of German. Theoretically situated at the interface between language-ideology research and critical discourse studies, it offers qualitative analyses of selected discourse data from 1995 to 2010. The paper discusses the following suggestions: Perceptions of a distinct variety among immigrant-background young people emerge in a circulation process among a range of institutional discourses, including academia, popular culture, journalism, and language teaching; these share a number of discursive procedures and language-ideological assumptions regarding ‘the ethnolect’, which are recontextualised according to the formation rules of each discourse. Linguists played a pivotal role in that process, both in academic publications and as ‘language experts’ quoted in the media. In particular, they introduce a number of descriptive procedures on which the production of knowledge on ethnolects is based: labelling, classification, normative comparison, feature selection, and interpretive binarisms; these also occur across media and language teaching discourse in recontextualised ways. Homogenism and standardism serve as language-ideological pillars on which ‘the’ ethnolect can be imagined as a ‘deviation’ from standard language. Its use in the iconisation of ‘problem’ immigrant youth and its metaphorical conceptualisation in terms of military aggression are particular to media discourse. Finally, the label ethnolect is indifferent to the ethnicity of its purported speakers, but primarily indexes their difference, i.e. heteroethnic relation to the imagined majority group.


 



Enrica Cortinovis

Local, global and ethnic orientation in the communicative practices of Albanian speaking adolescents in Bolzano, Italy
Summary
The paper is focussed on the role of migrant languages as a new source of innovation in youth communicative practices and analyses the communicative practices of young Albanian Immigrants in Italy.
The theoretical framework of style, advanced by Irvine (2001) and, in particular of social communicative style, as it was applied by Keim (2007) in her ethnographic study on Türkische powergirls, provides a valuable model for integrating semiotic and linguistic data gathered during fieldwork research – video recordings of spontaneous interactions at a youth centre – and for considering how ethnicity, age and gender come into play and acquire meaning in discourse.


 


Labor


Melanie Leidecker

Traces of Public Opinion in Middle High German Minnesang
Summary
The scope of this study is to analyse if and how traces of public opinion, in the socio-psychological sense of social control, may be found in the German medieval love lyrics. With the aid of a hermeneutic text analysis some selected Middle High German minnesongs are exemplarily examined. The analysis shows that awareness of public opinion as social control did exist in the Middle Ages. On the one hand, there are minnesongs that raise the topics êre (honour) and spot (mockery). In these songs public mockery represents a threat of isolation against individuals who do not conform to public opinion. Because mockery may lead to loss of honour and to social isolation, mockery pressures individuals who deviate from public opinion to conform. On the other hand in the Middle High German minnesang the huote (supervision) and the merkaere (watchdogs) are often made a subject of discussion. Both may be considered as a form of social control. huote describes a social supervision of courtly ladies and values (in an abstract sense). The merkaere describe those who (concretely) supervise and control the behaviour of other persons. They are agents of public opinion and make sure that nobody violates the values which public opinion dictates.

 



Matthias Plumpe
Dilettant/Genie. The Genesis of an Aesthetic Distinction in the Period Around 1800
Summary
The article deals with a remarkable semantic transformation in the period around 1800, when the term ‘dilettantism’ changes from a category of self-definition, used by serious artists, to a category of external ascription; from a category of inclusion to a category of exclusion and from a marker of social distinction to a genuinely aesthetic category. This transformation culminates in a joint work by Goethe and Schiller, the scheme Über den Dilettantismus. The article proposes the thesis that the evolution of the term needs to be explained as an adaptation of semantics to the epochal transition from a stratified to a functionally differentiated type of social order. Two main implications of this adaptation concerning both production and reception of art are pointed out: On the one hand the use of ‘dilettantism’ as a combat term is an attempt to restore a boundary between artist and non-artist; on the other hand the concept develops certain pedagogical values to educate the audience – and to prepare it for the benefits of advanced literature.

 

 

Adressen der Herausgeber

Prof. Dr. Hartmut Bleumer, Universität Göttingen, Seminar für Deutsche Philologie, Käte-Hamburger-Weg 3, D-37073 Göttingen, E-Mail: hbleume@gwdg.de
Prof. Dr. Rita Franceschini, Freie Universität Bozen/Libera Università di Bolzano, Universitätsplatz 1, I-39100 Bolzano/Bozen, E-Mail: rita.franceschini@unibz.it
Prof. Dr. Wolfgang Klein, Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Postbus 310, NL-6500 AH Nijmegen, E-Mail: wolfgang.klein@mpi.nl
Prof. Dr. Niels Werber, Universität Siegen, Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft, Postfach 10 12 40, D-57068 Siegen, E-Mail: werber@germanistik.uni-siegen.de



Adressen der Autorinnen und Autoren

Prof. Dr. Jannis Androutsopoulos, Institut für Germanistik I & Institut für Medien und Kommunikation Universität Hamburg Von-Melle-Park 6, D-20146 Hamburg, E-Mail: jannis.androutsopoulos@uni-hamburg.de
PD Dr. Maria Besse, Leiterin der WDW-Arbeitsstelle und des Pfälzischen Wörterbuch-Archivs, WDW – Wörterbuch der deutschen Winzersprache, Arbeitsstelle der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, Benzinoring 6, D-67657 Kaiserslautern, E-Mail: maria@besse.de
Dr. Enrica Cortinovis, Kompetenzzentrum Sprachen, Freie Universität Bozen, Dantestr. 9, I-39100 Bozen. E-Mail: enrica.cortinovis@unibz.it
Prof. Dr. Wolfgang Haubrichs, Universität des Saarlandes, Fachrichtung 4.1. – Germanistik, Postfach 15150, D-66041 Saarbrücken, E-Mail: w.haubrichs@mx.uni-saarland.de
Melanie Leidecker M.A., Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Publizistik, Abteilung: Allgemeine Kommunikationsforschung, Colonel-Kleinmann-Weg 2, D-55099 Mainz, E-Mail: melanie.leidecker@uni-mainz.de
Matthias Plumpe, FernUniversität in Hagen, Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienästhetik, D-58084 Hagen, E-Mail: matthias.plumpe@fernuni-hagen.de
Prof. Dr. Angelika Redder, Institut für Germanistik I – Linguistik, Von-Melle-Park 6, D-20146 Hamburg, , E-Mail:  angelika.redder@uni-hamburg.de
Prof. Ian Wood, University of Leeds, School of History, Michael Sadler Building, Leeds, West Yorkshire, LS2 9JT, E-Mail: I.N.Wood@leeds.ac.uk