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Lili-Heft 168

 

Zeitschrift für

Literaturwissenschaft und Linguistik

Gefördert aus Mitteln der Universität Siegen

 

Thema: Dinge und Maschinen in der Kommunikation

Herausgeber dieses Heftes:Stephan Habscheid und Wolfgang Klein

 

Inhalt

 

In eigener Sache

Einleitung
Introduction

Jan P. de Ruiter
Kommunikation im 21. Jahrhundert: Alter Dialog-Wein in neuen Technik-Schläuchen
Communication in the 21st Century: Old Dialogue Wine in New Technology Bottles

Ruth Ayaß
Zur Sozio-Logik der Fernbedienung
Towards a Socio-Logic of the Remote Control

Raphaela Knipp
Narrative der Dinge. Literarische Modellierungen von Mensch-Ding-Beziehungen
Narratives of Objects – Literary Modelling of Human-Object-Relations

Reinhold Schmitt
Störung und Reparatur eines religiösen Ritus: Die erloschene Osterkerze
Disorder and Repair of a Religious Rite. The Extinguished Paschal Candle

Michael Beißwenger/Angelika Storrer
Interaktionsorientiertes Schreiben und interaktive Lesespiele in der Chat-Kommunikation
Interaction-Centered Writing and Play in Chats

Labor

Marina Petkova
Die Deutschschweizer Diglossie: eine Kategorie mit fuzzy boundaries
Swiss German Diglossia: a Category with Fuzzy Boundaries

 

 

 

 

Stephan Habscheid und Wolfgang Klein


Einleitung: Dinge und Maschinen in der Kommunikation


“The most profound technologies are those that disappear. They weave themselves into the fabric of everyday life until they are indistinguishable from it.” (Weiser 1991, S. 94). – Die Behauptung stammt aus einem vielzitierten Text von Mark Weiser, ehemals Chief Technology Officer am berühmten Xerox Palo Alto Research Center (PARC), wo nicht nur einige bedeutende computertechnische Innovationen ihren Ursprung hatten, sondern auch grundlegende anthropologische Einsichten zum Umgang mit technischen Artefakten gewonnen wurden.1 In einem populärwissenschaftlichen Artikel mit dem Titel „The Computer for the 21st Century” entwarf Weiser 1991 die Vision einer Zukunft, in der wir nicht mehr mit einem einzelnen PC an unserem Arbeitsplatz umgehen – vielmehr seien wir in jedem Raum umgeben von hunderten elektronischer Vorrichtungen, die untrennbar in Alltagsgegenstände eingebettet und daher in unserer materiellen Umwelt gleichsam „verschwunden“ sind. Dabei ging es Weiser nicht allein um das ubiquitäre Phänomen, das in der Medientheorie als „Transparenz der Medien“ bekannt ist2 oder in allgemeineren Theorien der Alltagserfahrung als eine selbstverständliche Verwobenheit des Menschen mit den Dingen, die uns in ihrem Sinn vertraut und praktisch „zuhanden“ sind.3 Darüber hinaus zielte Weisers Vision darauf, unsere bereits existierende Umwelt durch computerlesbare Daten zu erweitern und in die Operationen eines solchen allgegenwärtigen Netzwerks alltägliche Praktiken gleichsam lückenlos zu integrieren: In der Welt, die Weiser entwirft, öffnen sich Türen für denjenigen, der ein bestimmtes elektronisches Abzeichen trägt, begrüßen Räume Personen, die sie betreten, mit Namen, passen sich Computerterminals an die Präferenzen individueller Nutzer an usw. (Weiser 1991, S. 99). Tatsächlich entwickelt sich, wie wir heute sehen, auf der Basis einer informationstechnischen Erweiterung von Alltagsgegenständen durch Funketiketten, Mikroprozessoren, Sensortechnologien usw. auf längere Sicht „ein ‚Internet der Dinge‘, das nachhaltige Auswirkungen auf viele Wirtschaftsprozesse und Lebensbereiche haben dürfte“ (Mattern 2008, S. 3). Indem nicht nur Computer von ihren Nutzern in die Alltagswelt integriert werden, sondern die Alltagswelt Teil einer durch digitale Daten angereicherten virtuellen Realität wird, können Computer bis zu einem gewissen Grad unsichtbar werden – “in fact as well as in metaphor” (Weiser 1991, S. 98).
Nicht zuletzt solche innovativen technischen Ideen und Entwicklungen fordern die Sprach- und Literatur-, Medien- und Kulturtheorie dazu heraus, im Rahmen ihrer Gegenstandsbereiche über die vermeintlich klare ontologische Differenz zwischen der sozialen und der materiellen Welt auf einer allgemeineren Ebene neu nachzudenken. So mag uns bewusst werden, dass bereits herkömmliche Praktiken der Kommunikation von spezifischen materiellen Rahmenbedingungen abhängig waren und sind. Dies betrifft nicht nur die vielfältigen Ausprägungen der Schriftlichkeit, vom Brief bis zum Chat, sondern auch auf den ersten Blick ganz „untechnische“ Formen der mündlichen Kommunikation – man denke zum Beispiel an die Predigt des Pfarrers von der Kanzel, das Meeting in einem Konferenzraum oder die gesellige Interaktion an einer Tafel. Selbst bei sogenannten soft skills handelt es sich bei näherem Hinsehen in vielen Fällen um ein komplexes Gefüge von Relationen, zu denen auch der kompetente Umgang mit einer charakteristisch konfigurierten soziomateriellen Umgebung gehört (vgl. Ingold 2000).
Die Verwobenheit der Kommunikation mit den Dingen wird noch augenfälliger, wenn man über soziale Veranstaltungen, in denen hauptsächlich (sprachlich) kommuniziert wird, hinaus an den im Alltag durchaus häufigen Fall denkt, dass sprachliche Kommunikation „empraktisch“ bzw. „symphysisch“ eingebettet ist (Bühler 1934/1982, S. 154-164) in eine soziale Praxis, die auch Kommunikation umfasst und die mithilfe von Kommunikation organisiert wird, aber weit über diese hinausreicht: betriebliche Instruktionen an der Maschine zum Beispiel (Brünner 2005), Beschilderungen im öffentlichen Raum der Stadt (Auer 2010), situierte Texte im Museum (Kesselheim/Hausendorf 2008). Schließlich ist zu bedenken, dass Kommunikation mitunter auch ganz unabhängig von Sprache, etwa auf der Basis von vor anderen und für diese inszenierten Körperpositionen und -bewegungen in einem architektonisch gestalteten, mit Dingen ausstaffierten Raum zustande kommen kann, nicht nur in der darstellenden Kunst, sondern auch in vielen anderen Situationen der Öffentlichkeit (vgl. beispielsweise den Beitrag von Schmitt, in diesem Heft, zur Rolle einer Osterkerze in einem religiösen Ritus).
Vor diesem Hintergrund besteht, so Lucy Suchman, die allgemeine theoretische Herausforderung darin, einen wissenschaftlichen Diskurs zu entwickeln,
that recognizes the deeply mutual constitution of humans and artifacts, and the enacted nature of the boundaries between them, without at the same time losing distinguishing particularities within specific assemblages. Recognizing the interrelations of humans and machines, in other words, does not mean that there are no differences. The problem rather is how to understand the nature of difference differently. (Suchman 2007, S. 260)
Suchman geht hier von der Überlegung aus, dass materielle Objekte und Umgebungen nicht bloß ein vorab existierendes, statisches Gegenüber sind. Vielmehr beziehen wir sie auch als relevante Objekte und Umgebungen in unsere Herstellung von sozialem Sinn ein: indem wir sie beispielsweise bewohnen, benutzen, anerkennen, sprachlich bezeichnen, begrifflich kategorisieren usw. Zuschreibungen von Sinn, die immer zugleich situierte kategorielle Grenzziehungen sind (vgl. Law 1996), nehmen wir im Alltag nicht nur individuell-kognitiv vor, sondern auch in der Kommunikation miteinander, und sie können sich von Moment zu Moment verändern. Eben hier kann auch eine empirisch basierte Theoriebildung ansetzen: „Es ist“, so Bruno Latour,
als würden wir zu den Akteuren sagen: ‚Wir wollen nicht versuchen, euch zu disziplinieren, euch in unsere Kategorien zu stecken; wir werden euch eure eigenen Welten entfalten lassen […].‘ Die Aufgabe, das Soziale zu definieren und zu ordnen, sollte den Akteuren selbst überlassen bleiben und nicht vom Analytiker übernommen werden. […] Die Suche nach Ordnung, Strenge und Struktur wird damit keineswegs aufgegeben. Sie wird nur einen Schritt weiter in die Abstraktion verlagert, so dass den Akteuren gestattet wird, ihren eigenen differenten Kosmos zu entfalten, ganz gleich wie kontraintuitiv sie dabei erscheinen mögen. (Latour 2007, S. 44f.)
Der linguistischen Forschung, die sich mit sozialer Interaktion befasst, ist eine solche Perspektive im Rahmen ihrer Mikrostudien vertraut:4 In dem Maße, wie es möglich wurde, über Audioaufzeichnungen von Gesprächen hinaus auch Videodaten zu erheben, gelangten materielle Ressourcen – vom Alltagsgegenstand bis zum institutionellen Requisit – in ihrer Bedeutung für die Herstellung sozialer Ordnung ins Blickfeld. Es wurde deutlich, dass verbale und multimodale Interaktion überhaupt nur verstanden werden können, wenn sie in ihrer Verwobenheit mit soziomateriellen Rahmenbedingungen betrachtet werden (vgl. z.B. Goodwin/Goodwin 1997).
Auch die neuere textlinguistische Forschung greift, wie oben bereits erwähnt, derartige Überlegungen in Bezug auf urbane „sprachliche Landschaften“, „die Formung des Raums durch die geschriebene Sprache” (Auer 2010) und verwandte Gegenstandsbereiche auf. Und die Literaturwissenschaft entdeckt die Literatur als eine einzigartige Quelle des Wissens über die Beziehungen zwischen Mensch und Dingwelt (vgl. Knipp, in diesem Heft). Dinge sind auch in der Wissenschaft mittlerweile allgegenwärtig: Nicht nur komplexe Maschinen und technische Infrastrukturen, sondern auch ganz alltägliche, scheinbar marginale Objekte wie die Fernbedienung (vgl. Ayaß, in diesem Heft) werden zum Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Bemühungen.
Der Thementeil des vorliegenden Heftes stellt, neben der eingangs angesprochenen aktuellen Medienentwicklung, grundlegende Fragen zum Verhältnis von Mensch und Technik in den Mittelpunkt, wie sie gegenwärtig in den beteiligten Fächern diskutiert werden. Er fragt nach dem im Alltag oft unterschätzten Beitrag, den allgegenwärtige Dinge für und durch Kommunikation erlangen. Zu Beginn stellt Jan P. de Ruiter die neueren technischen Entwicklungen der Telekommunikation und ihre Relevanz für den Sprachgebrauch in einen großen kommunikationsgeschichtlichen Rahmen und interpretiert sie vor diesem Hintergrund als den Versuch, die mit der Erfindung der Schrift verbundenen Vorzüge weiterhin zu nutzen und gleichzeitig vorteilhafte Merkmale der verbalen Interaktion unter Kopräsenz-Bedingungen zurückzugewinnen. Diesseits von High Tech zeigt am Beispiel der Fernbedienung der Beitrag von Ruth Ayaß, welche Komplexität bereits augenscheinlich simplen Hilfsmitteln der Kommunikation eigen sein kann. Er macht zudem deutlich, wie medienwissenschaftliche Untersuchungen, die gleichsam das Ding selbst methodisch überspringen zu können glauben, ihren Gegenstand verfehlen und welchen Erkenntnisgewinn bereits eine detaillierte Analyse der symbolisch-materiellen Strukturen der Dingwelt für das Verständnis des Sozialen erbringt. In die Welt der literarischen Imagination von Dingen und ihrer Beziehung zum Menschen führt der Beitrag von Raphaela Knipp. Die Literatur stellt, wie Knipp in einem kenntnisreichen Überblick und anhand exemplarischer Studien an Texten von José Saramango und Nicholson Baker überzeugend nachweist, spezifische Ressourcen für die ästhetisch gebrochene Reflexion über die Dingwelt bereit, die von den Literaturwissenschaften in den gegenwärtigen kulturwissenschaftlichen Diskurs über die Dinge hinein zu vermitteln sind. Die Bedeutung von Dingen im Sinnbezirk religiöser Riten führt anhand einer Videodokumentation der Vor-/Eröffnungsphase eines evangelischen Gottesdienstes Reinhold Schmitt vor Augen. Zugleich illustriert der Beitrag, welche Relevanz Dinge in einer Form von Kommunikation erlangen können, die ohne Sprache auskommt: Anknüpfend an die alltägliche Perspektive eines Gottesdienstbesuchers auf der Empore rekonstruiert der Beitrag einen Vorfall – ein Konfirmand bringt beim Entzünden seiner Kerze versehentlich die Osterkerze zum Erlöschen – als Störung des öffentlich vollzogenen Rituals und die komplexe Struktur der darauf bezogenen Reparatur als kommunikative Wiederherstellung der religiösen Normativität. Am Ende führt der Beitrag von Michael Beißwenger und Angelika Storrer verschiedene Fäden der Themenentwicklung noch einmal zusammen: Zum einen analysieren die Autoren (in Übereinstimmung mit Jan P. de Ruiter) eine neue Form der technisierten sprachlichen Kommunikation, den Chat, auf eine besondere Ausprägung der Schriftlichkeit hin, die „interaktionsorientiert“ und von daher dem dialogischen Gebrauch gesprochener Sprache ähnlich ist. Zum anderen zeigen sie, wie – anknüpfend an die alltägliche metaphorische Konzeptualisierung des Chattens als Plaudern in einem Raum – fiktive Objekte, Körper, physische Handlungen, Orte etc. mit den Mitteln von Sprache und Schrift imaginiert und nachgebildet werden, bis hin zu hoch komplexen Rollenspielen, in denen die Chatter nicht nur die Figuren verkörpern, sondern auch die Aufgaben von Erzähler oder Regisseur übernehmen und verdeutlichen. Schließlich führt der Beitrag vor, wie Sprache und Schrift selbst in spezifischer Weise in den Fokus kommunikativer Spiele rücken – gleichsam als Dinge in der Interaktion.

1     Auf Erfahrungen am Xerox PARC stützt sich Lucy Suchman, seinerzeit dort Mitarbeiterin, in ihrem Buch Plans and Situated Actions: The Problem of Human-Machine Communication (1987), dem die Forschungsrichtung der Workplace Studies (vgl. z.B. Heath/Luff 2000) wichtige Anregungen verdankt. Eine im Blick auf den aktuellen Theoriediskurs erheblich erweiterte Ausgabe von Suchmans Buch erschien 2007 unter dem Titel Human Machine Reconfigurations.

2     Vgl. z.B. Jäger 2004.

3     Vgl. Heidegger 1963, vgl. dazu den Beitrag von Knipp, in diesem Heft. – Zu den verschiedenen Lesarten des „Unsichtbaren“ im Diskurs über Ubiquitous Computing Habscheid/Gerwinski 2011.

4     Freilich wird hier in aller Regel auch dort, wo die Dinge ins Spiel kommen, im Rahmen einer sozialkonstruktivistischen Erkenntnistheorie daran festgehalten, dass materiale Artefakte – insofern sie sich nicht selbst sinnhaft konstituieren können – keinen den menschlichen Akteuren äquivalenten Status erlangen. Vgl. zu dieser spezifischen ‚Asymmetrie‘ Suchman 2007.


Literatur
Auer, Peter: “Sprachliche Landschaften. Die Formung des Raums durch die geschriebene Sprache.” In: Arnulf Deppermann/Angelika Linke (Hg.): Sprache intermedial. Stimme und Schrift, Bild und Ton. Berlin/New York 2010, S. 271-300.
Brünner, Gisela: Kommunikation in institutionellen Lehr-Lern-Prozessen. Diskursanalytische Untersuchungen zu Instruktionen in der betrieblichen Ausbildung [1987], www.verlag-gespraechsforschung.de (Original Tübingen).
Bühler, Karl: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache [1934]. Stuttgart 1982.
Goodwin, Charles/Goodwin, Marjorie H.: “Contested Vision: The discursive constitution of Rodney King”. In: Britt-Louise Gunnarsson/Per Linell/Bengt Nordberg (Hg.): The Construction of Professional Discourse. London 1997, S. 292-316.
Habscheid, Stephan/Gerwinski, Jan: “Appropriating new media: The implementation of technical landmarks in emergency settings.” In: Ruth Ayaß/Cornelia Gerhardt (Hg.): The Appropriation of Media in Everyday Life. Amsterdam/Philadelphia 2012, 271-304.
Heath, Christian/Luff, Paul: Technology in Action. Cambridge 2000.
Heidegger, Martin: Sein und Zeit [1927]. Tübingen 1963.
Ingold, Tim: The Perception of the Environment. Essays on Livelihood, Dwelling and Skill. London 2000.
Jäger, Ludwig: „Störung und Transparenz. Skizze zur performativen Logik des Medialen”. In: Sybille Krämer (Hg.): Performativität und Medialität. München 2004, S. 35-73.
Kesselheim, Wolfgang/Hausendorf, Heiko: „Die Multimodalität der Ausstellungskommunikation“. In: Reinhold Schmitt (Hg.): Koordination. Analysen zur multimodalen Interaktion. Tübingen 2008, S. 399-410.
Latour, Bruno: Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Frankfurt a.M. 2007 (engl. 2005).
Law, John: “Organizing accountabilities. Ontology and the mode of accounting”. In: Rolland Munro/Jan Mouritsen (Hg.): Accountability: Power, Ethos and the Technology of Managing. London u.a. 1996, S. 283-306.
Mattern, Friedemann: „Allgegenwärtige Datenverarbeitung – Trends, Visionen, Auswirkungen“. In: Alexander Roßnagel/Tom Sommerlatte/Udo Winand (Hg.): Digitale Visionen. Zur Gestaltung allgegenwärtiger Informationstechnologien. Berlin/Heidelberg 2008, S. 3-29.
Suchman, Lucy: Plans and Situated Action. The Problem of Human-Machine Communication. Cambridge, NY 1987.
Suchman, Lucy: Human-Machine Reconfigurations. Plans and Situated Action. Cambridge, NY 2007.
Weiser, Mark: “The computer for the 21st century”. In: Scientific American 265/3 (1991), S. 94-104.

 

 

 

 

 

 

 

 LiLi 168: Summaries


Jan P. de Ruiter

Summary
Communication in the 21st century: Old Dialogue Wine in New Technology Bottles
Since the industrial revolution, our telecommunications technology has developed exponentially. We are now able to transfer huge amounts of data almost instantly between virtually any two points on the globe. A natural question then is whether, and if so, how, high capacity global telecommunication has influenced the way people communicate with one another. In this article I will use illustrative examples from the history of telecommunication to argue that it was not telecommunication technology, but rather the – much earlier – development of writing that caused us to change the way we communicate. While exchanging written messages allowed us to break the confines of space and time, we had to give up the prototypical way of communicating that we have been using and optimising for thousands of years: informal face-to-face conversation. The rapid development of telecommunication technology has mainly served to gradually recover the essential properties of informal face-to-face conversation, while retaining the advantages of being able to communicate without physical co-presence.

 
Ruth Ayaß

Summary
Towards a Socio-Logic of the Remote Control
This paper discusses the remote control as an every-day, and yet frequently overlooked technology. The remote control and the resulting possibility of zapping may be seen as a widespread and consequential cultural technology which decisively influences viewers’ behavior and action. In accordance, this paper will aim to demonstrate the socio-logic of the remote control. Initially, it will show what controversial image of the zapping recipient exists in the academic literature: he is partly demonized, partly idealized. Furthermore, it will allow insight into the sometimes awkward methods employed in analyzing zapping. Subsequently the paper will show: remote controls have special button configurations which crucially affect the order in which the various channels are viewed; they lead to specific signatures of channel-changing. The paper closes with considerations on whether the remote control may count as an obsolete technology and the zapping TV-viewer as a species facing extinction.

 
Raphaela Knipp

Summary
Narratives of Objects – Literary Modelling of Human-Object-Relations
Cultural and social studies have recently followed the “material turn” due to which objects and technical artifacts have reached new epistemological importance. Based on Bruno Latour’s concept of a symmetrical anthropology which regards human and nonhuman entities as equally important social actors the difference between the social and the material world gets less and less distinct. Both worlds therefore seem to intermingle with each other and new questions regarding their differences need to be asked. The following essay goes along with this discourse from the perspective of the literary studies. It explains the proposition that literature is a means of reflection on this kind of development. Literature has always been telling the interdependence between the social and the material world and has shaped human-object-relation with all its different aspects. Against the traditional view of the literary studies which emphasize that things in literary texts are only requisites and symbols, this new perspective opens up the possibility to view things in literature completely different which can be connected with Latour’s notion of the actant. In order to do that some narratives of objects will be introduced: the circulating object, the deceitful object and the telling object. Furthermore, the short story „Objects“ written by José Saramago and the novel The Mezzanine written by Nicholson Baker will be discussed, as Saramago and Baker have their own mode to report about human-object-relations.

 

 


Reinhold Schmitt

Summary
Disorder and Repair of a Religious Rite. The Extinguished Paschal Candle
This article describes the interactive implications of the extinguishment of a paschal candle in the pre-liturgical phase. These implications are presented from a multimodal perspective and within the conceptual framework of “significant objects”. The analysis reconstructs in detail how the unintentional event takes place and how various churchgoers handle the event gradually and conjointly. Initially, the extinguished candle, which disrupts the regular ritual procedure, becomes an object of collective perception. Then it gains ‘imposed topical relevance’ for the affected confirmands and causes a corrective intervention by an elderly churchgoer. Finally, the candle becomes the object of tangible repair work by the “causal agent” of the event. In methodical terms, the analyzed excerpt constitutes a type of social situation which is characterized by “missing” verbal action. Therefore, the interaction cannot be analyzed by hearing what is said, but only by seeing how participants behave.

 

 


Michael Beißwenger/Angelika Storrer

Summary
Interaction-Centered Writing and Play in Chats
Written chat interaction on the internet is guided by the metaphorical concept of informal spoken conversation (= to chat) situated in a place (= a chat room). In our paper, we use examples to show how chatters build on this metaphor for a playful simulation of actions and for the joint, interactive creation of imagined scenes. Our examples are taken from the Dortmunder Chat-Korpus, an annotated collection of German chat logfiles from different types of chat environments. After a brief introduction to the technical conditions of chats and the characteristics of interaction-centered writing, we explain the basic categories of our analysis. Using this basis, we analyze sequences from chat logfiles in which the chatters introduce imagined objects and simulate actions and, step by step, interactively create a “virtual world” by negotiating a scenario, fictitious characters and facts about this imagined scene. The analyses show that an understanding of interaction in chats falls short if it describes the written conversations solely as a form of language use that deviates from the standard norms of written language. Instead, chat technology opens up new means to play with written language and with the peculiarities of interaction-centered writing. In ludic sequences like the ones analyzed in this paper, chatters on the one hand pick up and refine traditions of playfully mimicking orality through writing while on the other hand they make use of features which are particular of written (not spoken) language. In spite of their commonalities with improvisation theater and with fictionalizing in spoken conversation, such ludic chat interactions cannot be transposed into speech (e.g., through reading them with different roles) without significant transformations.

 

 


Labor


Marina Petkova

Summary
Swiss German Diglossia: a Category with Fuzzy Boundaries
This paper discusses the description of the Swiss German language situation from a current point of view. The emphasis is on variation within the dialect and the standard domains. The main question posed is how this variation can be classified within the description of diglossia. In conclusion, a representation of the Swiss German diglossia as a cognitive model is sketched out, indicating some advantages, but also raising open questions.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Adressen der Herausgeber

Prof. Dr. Hartmut Bleumer, Universität Göttingen, Seminar für Deutsche Philologie, Käte-Hamburger-Weg 3, D-37073 Göttingen, E-Mail: hbleume@gwdg.de
Prof. Dr. Rita Franceschini, Freie Universität Bozen/Libera Università di Bolzano, Universitätsplatz 1, I-39100 Bolzano/Bozen, E-Mail: rita.franceschini@unibz.it
Prof. Dr. Stephan Habscheid, Universität Siegen, Fakultät I: Philosophische Fakultät, Germanistik ? Angewandte Sprachwissenschaft, Adolf-Reichwein-Str. 2, D-57068 Siegen,
E-Mail: habscheid@germanistik.uni-siegen.de
Prof. Dr. Wolfgang Klein, Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Postbus 310, NL-6500 AH Nijmegen, E-Mail: wolfgang.klein@mpi.nl
Prof. Dr. Niels Werber, Universität Siegen, Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft, Postfach 10 12 40, D-57068 Siegen, E-Mail: werber@germanistik.uni-siegen.de

Redaktion: Eva Brandt, Universität Siegen


Adressen der Autorinnen und Autoren

Prof. Dr. Ruth Ayaß, Abteilung für Kultur und Kommunikation, Institut für Kultur-, Literatur- und Kommunikation, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Universitätsstr. 65-67, A-9020 Klagenfurt, E-Mail: ruth.ayass@uni-klu.ac.at
Dr. Michael Beißwenger, TU Dormund, Institut für Deutsche Sprache und Literatur, D-44221 Dortmund, E-Mail: michael.beisswenger@uni-dortmund.de
Raphaela Knipp M.A., Universität Siegen, Graduiertenschule "Locating Media/Situierte Medien", Artur-Woll-Haus, Am Eichenhang 50, D-57072 Siegen, E-Mail: raphaela.knipp@uni-siegen.de
Marina Petkova, Studienbereich Germanistik, Universität Freiburg, Av. De l’Europe 20, CH-1700 Freiburg, E-Mail: marina.petkova@unifr.ch
Prof. Dr. Jan P. de Ruiter, AG Psycholinguistik Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft, Universität Bielefeld, Postbox 100131, D-33501Bielefeld, E-Mail: jan.deruiter@uni-bielefeld.de
Dr. rer. soc. Reinhold Schmitt M.A., Institut für Deutsche Sprache R5, 6-13, D-68161 Mannheim, E-Mail: schmitt@ids-mannheim.de
Prof. Dr. Angelika Storrer, TU Dormund, Institut für Deutsche Sprache und Literatur, D-44221 Dortmund, E-Mail: angelika.storrer@tu-dortmund.de
Stephan Habscheid und Wolfgang Klein